Roter Flieder

Kürzlich habe ich entdeckt, dass meine Amazon-Bücher-Wunschliste 43 Artikel umfasst. Eine kurze Kopfrechnung ergibt, dass ich auch bei Lesen eines Buches per Monat fast vier Jahre zur Abarbeitung dieser Liste benötigen würde, wobei ich nicht sicher bin, ob die Rechnung realistisch ist, solange sie Projekte wie “Die Tora: Die fünf Bücher Mose nach der Übersetzung von Mendelssohn, Moses. Mit den Prophetenlesungen im Anhang” enthält. Ganz abgesehen davon, sooft ich auch meinen Bücherturm von oben um ein gelesenes Buch kürze, wächst er von unten auf unerklärliche Weise immer wieder nach.

Na ja, es wäre dumm, sich von so etwas aus der Ruhe bringen zu lassen, aber es gibt doch bestimmte Bücher, die ich unbedingt lesen möchte und ich wäre froh, hätte ich mehr Zeit dazu.

Nun überwinde ich mich endlich “Roter Flieder” des österreichischen Autors Reinhard Kaiser-Mühlecker fertig zu lesen. Trotz überschwänglicher Kritiken, begeisterten Kundenrezessionen und einer eindrücklichen Liste an Literatur-Preisen, die der junge Mann schon aufweisen kann, waren die 624 Seiten für mich eine ziemliche Qual.

In “Roter Flieder” wird die Geschichte und letztendlich auch der Niedergang der Familie Goldberger von der Zeit des Nationalsozialismus bis in die Gegenwart als alttestamentarisch aufgeladenes Epos von Schuld und Zerstörung nachgezeichnet.

Ja, die Geschichte ist originell und der junge Mann hat bestimmt Talent und schreibt in einem ruhigen, fliessenden und eindrücklichen Stil. Er wird in der aktuellen Presse in den höchsten Tönen gelobt: Virtuos, hypnotisierend, sprachlich atemberaubend, psychologisch höchst sensibel…
Ich aber schlafe beim Lesen ein. Denn wo bleiben Humor, Sinnlichkeit und Lebensfreude?

Ich quäle mich also endlich durch die letzten Seiten und kaum fünf Minuten später lade ich mir zum Abbau des Bücherturms schon das nächste Buch auf den Kindle.

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