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Es werden Posts vom 2018 angezeigt.

Auf Schritt und Tritt verfolgt

Vor etwas mehr als zwei Jahrzehnten sah mein Leben noch sehr anders aus. Ich war nicht verheiratet und hatte keine Kinder. Alles drehte sich mehr oder weniger um mich selbst, ich stand im Zentrum meines Universums. Dann beschloss ich – aus heute schwer nachvollziehbaren Gründen – Kinder zu bekommen. Es wurden deren drei und natürlich änderte sich mein Leben schlagartig. Ab sofort war ich nur noch für andere da und musste meine Wünsche und Bedürfnisse hinten anstellen. Aber die Jahre vergingen wie im Flug. Viele verzweifelte Momente, einige schlimme Schreckmomente und sehr viele Glücksmomente später habe ich fast wieder den Ausgangszustand von vor 23 Jahren erreicht. Ich habe diese Woche sturmfreie Bude!

Jetzt trete ich am späten Nachmittag aus dem Büro und überlege zuerst einmal, wonach mir heute der Kopf steht. Ich muss niemanden bemuttern, niemanden umsorgen, niemanden bekochen, niemanden irgendwo hin fahren, niemandem zuhören. Niemand wartet auf mich. Natürlich gibt es da noch den G…

Lippenkorrektur

Gestern war ich beim Zahnarzt, um ein Loch in einem Zahn flicken zu lassen. Es handelte sich um den Zahn neben dem Eckzahn (Zahn 24, wer es genau wissen will) und der Arzt spritzte mir eine recht grosszügig bemessene Portion Betäubungsmittel. Er musste sich verrechnet oder vergriffen haben, das machte sich schon bald nach der Spritze bemerkbar: Das Mittel lähmte nicht nur meine linke Mundhälfte, sondern setzte auch das linke Nasenloch ausser Gefecht und bald darauf verabschiedete sich mein linkes Auge.

Zwei Stunden später war der Zahn schon lange geflickt, aber meine linke Gesichtshälfte immer noch reichlich taub. Die Nase und das Auge hatten zwar ihre Funktion weitgehend wieder aufgenommen, aber beim Essen biss ich mir aus Versehen mehrere Male kräftig in die gefühllose Wange, im Bereich der linken Lippe. Nachdem ich mich etwa drei- bis viermal kräftig gebissen hatte, verzichtete ich frustriert auf die Resten im Teller und ging mit einer Menge schmerzender Wunden im Mund schlafen.

Aus den Medien

Dies soll kein Israelblog sein, aber die einseitige und verlogene Israel-Berichterstattung in Europa beschäftigt mich täglich. Die Dämonisierung Israels in den Medien ist für uns Israelis deprimierend und frustrierend. Abgesehen von der üblichen meist absurden Verdrehung der Tatsachen ist auch das Weglassen von Informationen ein System, Israel schlecht darzustellen.

Umso mehr freut es mich, ab und zu auf interessante, gute und richtige Artikel zu stossen, die die facettenreiche Gesellschaft Israels zum Thema haben und die komplexe Situation erahnen lassen, mit der sich Israel innenpolitisch permanent mehr oder weniger erfolgreich auseinandersetzt.

Bitte lesen!
Was geschieht mit den Christen in Israel? NZZ, 24.7.2018
Tscherkessen in Israel. Deutschlandfunk, 23.7.2018

Die Donaukniezwetschgenwähe

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Die Zwetschge ist eine typisch europäische Frucht, die vor allem in Osteuropa weit verbreitet ist und die ich in meiner Kindheit in der Schweiz gerne und oft gegessen habe. Israelisches Klima hingegen mögen die Zwetschgen nicht besonders und daher ist die Saison für diese Frucht bei uns sehr kurz. Auch die Aprikosen sind in Israel nicht heimisch und tauchen nur kurzfristig auf den Märkten auf. Anfangs Sommer kann man jeweils während etwa zwei bis drei Wochen Zwetschgen und Aprikosen im Angebot finden. Dieses Jahr habe ich in den Läden bis jetzt – Mitte Juli – noch keine einzige Zwetschge und nur sehr kümmerliche Aprikosen entdeckt. 
Was soll man machen, dass ich auch nach dreissig Jahren in Israel immer noch eher der Zwetschgen- und Aprikosen-Typ bin und mir die hier heimischen Früchte, wie zum Beispiel die Annona, die Kaktusfrucht Sabre, Granatäpfel oder Wollmispeln, nicht besonders munden. Der starke Geruch der Guave ist mir sogar bis zum Brechreiz zuwider. Natürlich gibt es einige…

Augenbrauen-Styling mit Zugabe

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In Israel ist Vieles kompliziert. Vielleicht werden gerade deswegen soziale Kontakte meist sehr offen und unkompliziert gehandhabt.

Meine Tochter und ich haben heute um 21:30 Uhr einen Doppel-Termin zum Augenbrauen-Styling. Die Kosmetikerin meiner Wahl ist eine junge alleinerziehende Frau, die an einen offensichtlichen Nichtsnutz von Mann geraten ist und nun mit ihren Kindern nach der Scheidung bei den Eltern lebt. Dort führt sie gemeinsam mit ihrer Mutter ein kleines Kosmetikstudio. Ab und zu lasse ich mir von Shelly die Brauen richten. Shelly, die junge Kosmetikerin, hat dabei eine unvergleichlich sichere Hand. Deshalb sehe ich darüber hinweg, dass sie mir während der Behandlung ganz ungehemmt den Kopf mit ihren Problemen vollquatscht. Ausserdem wohnt sie nur fünf Gehminuten von mir entfernt, sie arbeitet hart, verdient wenig und ich gönne ihr diesen Verdienst, auf welchen sie angewiesen ist.

Unser Termin heute Abend ist auf eine Stunde angesetzt, zu welcher in unserem Haus jewei…

Neuigkeiten aus dem Erdbebengebiet

Wer hätte gedacht, dass mein Sohn aus seiner Vorliebe für Videospiele während der Schulzeit doch noch Nutzen ziehen könnte. Er zockte damals stundenlang, während sich seine schulischen Leistungen stetig verschlechterten – und ich darüber verzweifelte. Diese Zeit ist zum Glück vorbei, den Abschluss schaffte er irgendwie dann doch noch.

Jetzt fährt er als Soldat der IDF in den Golanhöhen an der Grenze zu Syrien ein „Katlanit“. „Das ist wie eine Videokonsole, einfach im klimatisierten Fahrzeug“, erklärte er mir. Kein Wunder schnitt er in dieser Ausbildung als Kursbester ab!

Itay wird nach bald zwei Jahren Ausbildung (er ist auch noch Sanitäter seiner Truppe) und intensiven Übungen nun vorerst in den Golanhöhen stationiert sein, wo er und seine Truppe ein Teilstück der Grenze sichern. Die Situation in der Region ist leider alles andere als rosig.

Wie es sich abzeichnet, könnte die „Lösung“ für die vertrackte Situation aber bald ein kräftiges Erdbeben sein. In den letzten vierundzwanzig…

Wenn einer eine Reise tut...

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Ganz abgesehen von den Sorgen, die ich mir fast ununterbrochen um sie mache, bewundere ich meine Tochter für ihre Waghalsigkeit und ihre Abenteuerlust. Die Fotos und Berichte, die mich aus Indien erreichen, wecken auch bei mir Fernweh und Reiselust. Indien ist aber doch arg weit weg und,  gelinde gesagt, sehr exotisch. Ich habe keine Lust auf lange Flugstunden, tropische Hitze, (noch mehr) Kakerlaken, Impfungen und Visa-Formalitäten und beschliesse, meine Lust auf ferne Länder mit einem Abend in Tel-Aviv zu stillen.

Der Besuch in Tel-Aviv, der „Stadt, die niemals schläft“ ist für mich schon eine Fernreise per se. Leider schaffe ich Provinzhuhn es höchst selten in die pulsierende Grossstadt am Mittelmeer, bin aber dafür jedesmal von jedem Besuch umso mehr begeistert. Tel-Aviv hat unheimlich viel zu bieten: Einen kilometerlangen Sandstrand, viele verschiedene ältere und neuere Viertel, ein unerschöpfliches Angebot an kulturellen Anlässen, unzählige Märkte, Restaurants, Bars, Strassen-Im…

Abenteuer in Indien

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Eine Arbeitskollegin beklagt sich, dass sie ständig viel zu beschäftigt sei, gerade auch privat. Sie hat drei noch jüngere Kinder und ich kann mich gut erinnern, dass auch für uns Juni immer eine sehr ausgelastete Zeit war. Täglich gab es Abschlussparties: im Judokurs, im Ballettkurs, in der Unterstufe, in der Oberstufe. Klassenfeste, Elternabende und Orientierungsanlässe für die kommenden Ferienprogramme oder das Pfadilager reihten sich aneinander. Es nahm jeweils kein Ende und damit wir zwei oder mehr Anlässen an einem Abend Folge leisten konnten, benötigten wir einiges an Organisationstalent und mussten manchmal noch ein drittes Kind mitschleppen, das eigentlich schon längst ins Bett gehörte.

Das ist aber schon einige Jahre her. Nun ist unser Haus ruhig, die Kinder sind nicht mehr zuhause. Ich habe den ganzen Abend nichts zu tun. Das aufgewärmte Essen steht schon in der Küche und wartet auf hungrige Kunden. Ja, der Boden müsste geschrubbt werden und die Fenster waren auch schon sa…

Gedanken am Rhein

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Vier Stunden Flug trennen mich von der brodelnden Hexenküche und dem Paradies auf Erden.

In den Tagen vor meinem Abflug in die Schweiz ist im und um den Gazastreifen immer noch die Hölle los. Zehntausende Palästinenser, von der Hamas aufgestachelt und trotz drohender Lebensgefahr in die brenzlige Zone geschickt, werfen Steine, Molotowcocktails, Granaten und Brandkörper über den Grenzzaun. Auf der israelischen Seite stehen Weizenfelder, Kirschenplantagen und ganze Naturreservate in Flammen. Die randalisierenden Palästinenser fackeln den Grenzübergang ab (wo sonst lebensnotwendige Güter die Grenze passieren) und demolieren ihre eigene Stromversorgung und alles muss mit israelischen Geldern wieder aufgebaut werden. Unsere Soldaten liegen schwitzend im heissen Sand um Gaza und lassen sich mit steigender Frustration mit gefährlichen selbstgebastelten Brandobjekten bewerfen. Viele Palästinenser werden erschossen.

Auf dem Weg zur Arbeit vernehme ich aus dem Radio, dass Israel trotz der Krie…

Achtsamkeit

Ich gebe zu, ich bin ein ziemlicher Freak meines Smartphones. Ich liebe die Möglichkeiten, die es mir bietet. Mein Tag beginnt mit einem Blick in die Wetter-App, damit ich weiss, was ich anziehen soll. Im Morgenstau lese ich mein aktuelles Buch auf der Kindle-App (bitte nicht der Verkehrspolizei verraten). Während im Büro der Computer hochfährt, lebe ich auf Instagram mein Fotografier-Hobby aus. Nachmittags und abends eile ich von Termin zu Termin, an welche mich meine Kalender-App geflissentlichst erinnert und am Abend lasse ich den Tag auf dem Sofa beim Lesen deutschsprachiger Medien meiner Wahl über Facebook ausklingen. Beim Joggen gibt mir die Running-App gewissenhaft Bescheid, wieviele Kilometer ich schon gelaufen bin und die dazu gehörende Navigations-App sorgt dafür, dass ich beim Geländelaufen nicht verloren gehe. Weil ich oft alleine laufe, verfüge ich ausserdem über die Notfall-App des Magen David Adom, des israelischen Notfallrettungsdienstes. Im Falle eines Herzinfarktes, …

Drum prüfe, wer sich ewig bindet...

Die genauen Zahlen sind mir nicht bekannt, aber ich schätze, dass von 350 Mitarbeitern, die bis vor Kurzem an meinem Arbeitsplatz angestellt waren, etwa 150 im vergangenen Quartal wegrationiert worden sind. Nun stehen zahlreiche Büros leer. Im Zuge der Umstrukturierung sollen demnächst etwa 100 Mitarbeiter von einem anderen Sitz hierher verlegt werden. Darüber bin ich nicht sonderlich erfreut, denn ich habe eine gravierende Merkschwäche für Gesichter und Namen. Dass die vereinzelten Personen, die ich mir mit Mühe habe merken können, jetzt mit unzähligen neuen Gesichtern durchgemischt und aufgefrischt werden sollen, ist für mich verheerend.
In Vorbereitung für die „neuen“ Mitarbeiter und um das Durcheinander komplett zu machen, wird unsere Sitzordnung in den Büros neu organisiert und diese Woche findet der grosse Umzug statt.
Vor einigen Tagen musste auch ich umziehen. Die mysteriöse höhere Macht, die über die Büro-Zuteilung entscheidet, teilte mir ein Zweier-Zimmer mit einem mir unb…

Wir haben gewonnen!

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Manchmal erwacht man morgens zu einem Fast-Krieg mit Iran und manchmal erwacht man morgens zu einem Sieg Israels im Eurovision-Songcontest. Nun, eigentlich wusste ich nicht erst am Morgen, dass „wir“ gewonnen haben, denn meine Tochter schaute sich den Contest an und nachts um zwei ging in der Stube das Siegesgebrüll los. Ich konnte mich also schon ab diesem triumphalen Moment bis am Morgen im Siegesruhm sonnen.

Wahrscheinlich scheren sich die meisten Europäer einen Deut um den Songcontest und das ist angesichts des immer mehr zu einer grotesken Show verkommenden „Schlagerfestivals“ verständlich. Aber die lebensfreudigen Israelis, die Musik und Feiern lieben, fiebern bei diesem Wettbewerb jedes Jahr mit und der gestrige Sieg der israelischen Repräsentantin versetzt das ganze Land in Ekstase. In Tel-Aviv, der Stadt die niemals schläft, tanzten die Leute um drei Uhr morgens in den Strassen. Dabei hielten sie wohl nicht nur Lebensfreude und Stolz über den Sieg vom Schlafen ab, sondern au…

Duschen unter Lebensgefahr

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Wie man den Medien entnehmen kann, ist in den nächsten Tagen ein Krieg mit dem Iran zu erwarten. Wie man den Medien auch entnehmen kann, hat niemand auch nur die geringste Ahnung, wie sich dieser Krieg entwickeln wird. Je nachdem, welche Zeitung man liesst, ist jedes Szenario möglich, von einer mickrigen Nacht- und Nebelaktion bis hin zu einem apokalyptischen Nuklearkrieg. Das beunruhigt mich natürlich sehr und ich versuche, möglichst nicht daran zu denken, denn sonst zerplatzt mir der Kopf.

Als der amerikanische Präsident Trump bekanntgab, dass sich die Vereinigten Staaten aus dem Atomabkommen mit dem Iran zurückziehen werden, ging ich mit dem höchst beunruhigenden Gefühl schlafen, dass wir den Morgen vielleicht nicht mehr erleben werden.

Der Morgen kam dann doch, der Wecker klingelte wie immer und als ich zum Lauftraining fahre, ist alles beim Alten: Stau in den Strassen, der Himmel leicht bewölkt. Sieht so der Anfang einer Apokalypse aus?

Ausgerechnet beim Duschen geht der Alarm …

Der Lieferservice

Vor einigen Tagen habe ich mich von einem Spezialangebot verlocken lassen und per Internet ein Paar neue Laufschuhe bestellt. Die Schuhe werden mir bequem nach Hause geliefert, der Fahrer des kleinen Lieferwagens übergibt sie mir an der Haustüre. Leider passt die Grösse nicht genau, das lässt sich, nachdem ich einige Proberunden im lockeren Dauerlauf um unser Sofa gedreht habe, nicht leugnen. Aber Umtauschen ist kein Problem: Ich muss nur auf der entsprechenden Webseite „Grösse umtauschen“ anklicken und schon ist der Schuh-Lieferant erneut zu mir unterwegs, um die Schuhe abzuholen und gegen ein hoffentlich passendes Paar umzutauschen. Ich staune. Wir sind wahrlich in der Zukunft angelangt.

Ebenfalls ins Staunen versetzt mich die überraschende Lieferung von drei Zitronen, die heute morgen in meinem Garten liegen, obwohl mein Zitronenbaum keine Früchte trägt und ausserdem in der gegenüberliegenden Ecke des Gartens steht. Die Zitronen liegen unter der Gartenschaukel und kommen mir wie g…

Laufen oder davonlaufen?

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Nach meiner Laufflaute im Winter wegen Grippe, Hüftschmerzen, stürmischem Wetter, schlechter Laune und anderen mehr oder weniger plausiblen Gründen, trainiere ich jetzt ganz bewusst wieder intensiver. Ich habe mir vorgenommen, viermal in der Woche zu laufen und dabei die wöchentliche Gesamtkilometerzahl immer mehr zu erhöhen. In den letzten zwei Wochen, bei perfektem Wetter, habe ich das ganz gut durchgezogen und ich merke schon, wie sich meine Ausdauer verbessert und das Laufen leichter fällt. Heute laufe ich zwölf Kilometer und während dem Laufen denke ich unvermittelt, dass Laufen mit Flüchten assoziiert wird. Flüchte ich? Wovor laufe ich eigentlich davon?

Ich bin kein ehrgeiziger Mensch und ich habe kein Ziel. An Wettkämpfen nehme ich schon lange nicht mehr teil. Was motiviert mich, viermal in der Woche in den frühen Morgenstunden aus dem Bett zu hüpfen und noch vor dem Frühstück sinnlos durch die Gegend zu rennen? Beim Laufen fühle ich mich stark und vital, aber die körperliche…

Mein Senf zum Weltfrieden

Mit den nachfolgenden Zeilen möchte ich auf den Beitrag einer Blog-Nachbarin eingehen. Eigentlich wollte ich nur einen Kommentar zu ihrem Artikel schreiben, dieser wurde dann aber etwas länger und um ihre Kommentarspalte nicht zu sprengen, gebe ich jetzt meinen Senf hier zum Besten, in der Hoffnung, dass unsere Blogs nun nicht zu Schlachtfeldern der Meinungen und Anfeindungen über den Palästinakonflikt werden, denn dies ist ein explosives Thema! 
In all den Jahren, in denen ich auf verschiedene Arten im Netz unterwegs bin, habe ich mich immer davor zurückgehalten, über den “Nahostkonflikt” zu diskutieren. Einerseits, weil ich auch nach dreissig Jahren in Israel die Situation immer noch lerne und nicht mit Menschen diskutieren mag, die sich nach dem Lesen einiger Schlagzeilen eine mehr oder weniger festgefahrene Meinung bilden (damit meine ich auf keinen Fall dich, liebe Schreibschaukel!), andererseits weil ich durch mein Auswandern in ein anderes Land gelernt habe, dass wir alle Brill…

Shvil Israel

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Der Shvil Israel (oder INT, Israel National Trail, der israelische Nationalwanderweg) ist eine Pilgerroute, die in 44 Etappen über 1,050 Kilometer das Land Israel vom Norden bis in den Süden durchquert. Der Shvil Israel soll eine der schönsten Fernwanderwegen der Welt sein. Auf der Webseite von Christian Seebauer kann man mehr über den Trail lesen, der mit spektakulären Landschaften in einem aufregenden Land, meist angenehmem Wetter und hilfsbereiten Mitwanderern und Einheimischen aufwartet. 

Der Trail führt vom Kibbuz Dan im Norden durch Galiläa und am See Genezareth entlang, durchs Karmelgebirge zum Mittelmeer, an der Küste nach Tel Aviv, an Jerusalem vorbei und durch die Negev-Wüste bis ans Rote Meer im Süden. Gemäss der Topologie des Landes ändert der Trail seinen Charakter mehrmals: Er schickt den Wanderer über sanfte Hügel, durch unwegsame Schluchten, am Strand entlang und durch bewohnte und landwirtschaftlich geprägte Gebiete. Im Süden führt der Pfad auf einem etwa vierhundert…

Wüstentrip

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Vor einigen Tagen reiste ich in die Negev-Wüste, zusammen mit meinen Schwestern, die aus der Schweiz zu Besuch gekommen waren um vor der grossen Eiszeit ein bisschen Sonne zu tanken.

Einige Tage vorher suchte und fand ich im Internet eine anspruchsvolle Rundwanderung: Die Tagesroute „Wadi Zin - Ein Akev“ schien mir genau das Richtige zu sein. Ich klickte durch Bilder von Wüstenlandschaften mit trockenen Wadis, bizarren Felsformationen und kargen Geröllhalden in vielfältigen Beige- und Sandschattierungen – das würde einmal etwas ganz anderes für meine Schwestern, die sich an die grünen Wiesen und Wälder, die Berge und den Schnee der Schweiz gewöhnt sind!

Es stellte sich heraus, dass es auch in der Wüste kräftig regnen kann. Na ja, eigentlich wusste ich das ja schon. Aber ausgerechnet heute?! Die geplante Wanderung fiel buchstäblich ins Wasser. Eine hartnäckige Regenwolke entleerte sich ausgerechnet während der wenigen Stunden, die wir in dieser sonst so trockenen Region verbrachten.…

Arbeit und Struktur

„Sturm und Wolkenbruch. Ich laufe in meiner Wohnung herum, um der Reihe nach durch alle Fenster zu sehen und mich zu freuen.“ Wolfgang Herrndorf, 6.10.2012.

Noch während ich das Buch "Arbeit und Struktur" lese, weiss ich, dass ich es - sobald zu Ende - in Endlosschleife gleich wieder von vorne beginnen werde. So beeindruckend ist die Einsicht in das Tagebuch von Wolfgang Herrndorf.

Wenige Wochen nachdem bei ihm ein unheilbarer Hirntumor diagnostiziert wurde, eröffnete der Autor seinen Blog, in welchem er seinen Alltag mit der Krankheit mal lakonisch, mal zynisch, mal sarkastisch, mal humorvoll und mal verzweifelt kommentiert. Kurz nach Herrndorfs Selbstmord im August 2013 wurde der komplette Blog in Buchform veröffentlicht.

Das lässt mich Parallelen zu meinem eigenen Blog/Buch ziehen, nur mit dem bedeutenden Unterschied, dass er das Todesurteil erhielt und ich nur eine leichte „Strafe auf Bewährung“. Bei Herrnsdorf geht es ernsthaft um Leben und Tod und das macht umgehend jeg…

Spinat und Tattoos

„Spinat macht Muskeln“, sage ich zu Lianne beim Abendessen, wohl ahnend, dass der Slogan bei Sechzehnjährigen kaum dieselbe Wirkung haben wird bei Kleinkindern.

„Und ein Anker-Tattoo am Unterarm?“, fragt sie frech.

Grippe

Jetzt auch das noch. Was für eine fiese, hinterlistige, unerwünschte, sinnlose Krankheit. Eine Woche sieche ich mit hohem Fieber im Bett dahin. Mein Körper hat dieselbe Temperatur und Konsistenz wie das Bett unter mir und die Decken über mir. Ich bin eine Decke. Bin ich bei Bewusstsein? Ich deliriere unter Lagen von Decken vor mich hin, abwechselnd von unerträglichen Schweissausbrüchen geplagt und von Eiskaltfrösten geschüttelt. Ich huste mir die Lungen wund und schnäuze Unmengen grüngelblichen Rotz (Hirnmasse?) ins Nastuch. Dann diagnostiziert der Arzt Bronchitis und Anfänge einer Lungenentzündung und verschreibt Antibiotika. Umgehend geht es mit mir bergauf und schon eineinhalb Tage später koche ich, fange an, den Wäscheberg abzuarbeiten, jäte Unkraut im Garten, sähe Basilikum aus und putze Fenster. Frühling! Hurra, ich bin von den Toten auferstanden!

Morgen werde ich wieder arbeiten gehen. Während ich fast zwei Wochen im Bett lag, haben viele meiner langjährigen Arbeitskollegen die…

Der Lotteriegewinn

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Was für ein Morgen! Donner, Blitz und Wolkenbruch. In den Strassen steht das Wasser – und der Morgenverkehr. Ich bin eine Stunde später als üblich unterwegs. Der Wecker klingelte um 5 Uhr 30, um 6 Uhr 30 schlug ich die Augen auf. Die Stunde dazwischen fehlt in meinem Leben, keine Ahnung, wohin sie verschwunden ist. Na ja, das ist nicht weiter tragisch, der Boss ist im Urlaub. Und trotz Weltuntergangswetter bin ich guter Laune.

Meine Stelle wird im Moment nicht gekündigt, das weiss ich jetzt offiziell. In dieser Lotterie habe ich ein gutes Los gezogen. Andere leider nicht.

Viele Mitarbeiter wissen schon, ob sie auf der schwarzen Liste stehen. In den Kaffeeküchen oder der Kantine schauen sich nun alle fragend und eine Sekunde länger als üblich an, als suche man ein Zeichen auf der Stirne des Gegenübers.

Eine gute Kollegin, die vor 18 Jahren wenige Monate vor mir ihre Stelle hier antrat, hat eben erfahren, dass ihr Team wegrationalisert wird. Einst hatte ich sie beneidet, weil ich gerne…

Der Kasuarien-Kreis

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Meine Heim-Laufrunde führt durch den Ya’ar Ilanot. Dieser botanische Park, den die Israelis grosskotzig „Wald“ nennen, begeistert mich immer wieder, obwohl ich ihn schon unzählige Male durchquert habe.

Wie alle Parkanlagen in Israel wird auch Ya’ar Ilanot vom KKL (Keren Kayemeth LeIsrael - Jewish National Fund) unterhalten. Der KKL Fonds, so belehrt mich Wikipedia, wurde 1901 am fünften zionistischen Kongress gegründet, ursprünglich um Landkäufe im damaligen Palästina zu ermöglichen. Während den darauffolgenden Jahrzehnten war der Fonds an der Pflanzung des ersten Waldes, am Bau des ersten Kibbutz und sogar an der Gründung der Stadt Tel-Aviv beteiligt. Heute ist er vor allem für den Unterhalt der zahlreichen Parkanlagen in Israel zuständig.

Dass der KKL Fonds für die Juden in der Diaspora eine besondere Bedeutung hatte, erfahre ich von meiner Schwiegermutter. Eine KKL-Sparkasse ist einer der wenigen Gegenstände, die ihre Familie nach Israel retten konnte, als sie in den Fünfziger Jah…

Spaziergang am Meer

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Die zauberhaften Winterlandschaften in der Schweiz vermisse ich sehr. Die Stille, das Glitzern des Schnees, das Knirschen der Schuhe auf vereisten Wegen, Schneeklumpen, die leise von verschneiten Tannen fallen, die kalte Nase...
Gegen die Wehmut hilft ein Spaziergang am winterlich stürmischen Meer. Das ist ganz anders, aber mindestens ebenso reizvoll und magisch beruhigend.


Seltsam, seit ich lauthals verkündet habe, diesen Blog nicht mehr weiter zu führen, sprudle ich nur so über mit Ideen für Blogbeiträge. Kaum zu glauben, aber kurz nach dem der Entschluss gefallen war, hatte ich einen Schwall fertig ausgedachter Beiträge in der Pipeline.

Da bin ich wieder

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Ein Rauschzustand

Wir fahren ohne jegliches Zeitgefühl durch die Nacht. Der kalte Fahrtwind schlägt mir ins Gesicht, ich lege meine Wange an die Jacke vor mir, die würzig-herb nach Leder, After-Shave und Motorenöl riecht. Die Nacht riecht kühl. Schon viele Stunden sind wir unterwegs, ohne anzuhalten. Während ich mich schläfrig an den Rücken vor mir schmiege, lenkt der Fahrer immer noch mit grosser Konzentration und Geschicklichkeit seine Maschine. Wir fahren schnell, der Motor unter mir vibriert und ich vibriere mit. Meine Beine, mein Rumpf, meine Arme, mein Kopf: Eine Masse in vibrierender Schwingung, der ich nicht entkommen kann. Ich sitze schon so lange auf diesem Motorrad, dass ich eins mit ihm geworden bin. Ich weiss nicht mehr, wo meine Beine aufhören und wo die Maschine anfängt. Das stetige Surren verbindet die Maschine, meinen Körper und den des Fahrers und vereint uns zu einem einzigen, zusammenhängenden Gegenstand, der durch die nächtliche Landschaft fliegt.

Der Motorenlärm, …

Buch 2

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Ende Dezember habe ich ein grosses Projekt zu Ende gebracht und ein Buch veröffentlicht. Um dieses Unterfangen zu realisieren habe ich monatelang sehr viel forschen, lernen und ausprobieren müssen. Das war interessant und bereichernd und nun kann ich stolz die Amazon-Seite meines eigenen Buches bestaunen (Link dazu sende ich bei Interesse gerne per Email).

Einige Tage später, als ich schon wieder wie wild in die Tasten meines PCs haue, fragt mich der Gatte spöttisch: Was denn jetzt? Schreibst du schon an Buch Nummer 2?

In der darauffolgenden Nacht hatte ich ein Heureka-Erlebnis: Ich werde Buch Nummer 2 schreiben! Danke, lieber Gatte!

Ich werde diesen Blog nicht weiterführen. Schon längere Zeit bin ich mit dem Schreiben fürs Internet recht ins Stocken geraten. Die Blog-Muse scheint mich verlassen zu haben. Ich denke, es blockiert mich, dass zuviele Leser mich kennen. Seit ich beschlossen habe, für mich im stillen Kämmerlein ein Tagebuch zu führen, schreibe ich wieder fliessend. Besti…