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Die Fast-Gipfelbesteigung

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Unsere letzte grosse Wanderung liegt schon mehr als eine Woche zurück, weil sie aber sehr abenteurlich und eindrücklich war, möchte ich doch noch darüber berichten und einige Fotos hochladen. 
Die Besteigung der Kreuzfahrerburg Nimrod in den Bergen von Galiläa, im Norden Israels am ersten Wandertag verläuft angenehm. Vielleicht etwas zu angenehm, so dass es plötzlich zu spät wird und wir den zweiten Teil der Wanderung auf den nächsten Tag verschieben.
Wir – eine Gruppe von etwa 30 Wanderern, inklusive einem dreiköpfigen Leiterteam – sind heute 14 km gegangen.












Jetzt gibt es eine heisse Suppe und dann sitzen wir um das Feuer, auf welchem ein grosser Eintopf vor sich hinköchelt. Jemand hat eine Gitarre mitgebracht, wir singen und trinken Wein.



Die Übernachtung im Zelt ist, wie nicht anders erwartet, eine Katastrophe. Trotz Heuschnupfenmedikament ist meine Nase total verstopft sobald ich mich hinlege. Wenigstens ist mir nicht kalt, ich schliesse aber trotzdem die ganze Nacht kein Auge u…

Ein bescheidener Sieg

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Wie jedes Jahr wiederholt sich in Israel eine Woche vor dem Unabhängigkeitstag der Holocaust-Gedenktag. Im Fernsehen werden Dokumentarberichte und Gespräche mit und über Holocaust-Überlebende ausgestrahlt. Zeitlich passend beginne ich gerade "Ist das ein Mensch?" von Primo Levi zu lesen.
Ich realisiere plötzlich, dass mir – je weiter dieser fürchterliche Abschnitt der Geschichte in die Vergangenheit rückt – die Schicksalsberichte immer aberwitziger und unwirklicher erscheinen. Jedes einzelne Schicksal ist absolut unvorstellbar, mit dem Verstand einfach nicht zu fassen. Als hätte die Generation der Älteren in einem Anflug hinterhältigster Boshaftigkeit in den Vierziger Jahren beschlossen, von nun an allen Nachgeborenen einen himmelschreiend ungeheuerlichen Bären aufzubinden. Science Fiction. Anders ist es nicht zu begreifen.

Natürlich weiss ich genau, dass dem nicht so ist. In Israel leben heute noch etwa 200,000 Holocaust-Überlebende und ihre oft meist fantastische anmutend…

Ein Ausflug, den keiner will

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Schulferien und angenehmes Frühlingswetter treiben an den Pessachfeiertagen fast alle Israelis aus den Wohnungen. Zu Tausenden, ja zu Millionen sogar (1,25 Mio Israelis sollen an Pessach Ausflüge unternommen haben, wird heute morgen in den Nachrichten berichtet) brechen sie auf. An Pessach ist alles übervoll, jedes Hügelchen besteigen die Israelis in Scharen, jedem Bächlein entlang trampeln sie dicht an dicht, mit Kind und Kegel. Die Strassen sind im ganzen Land katastrophal verstopft, denn wer nicht in der freien Natur unterwegs ist, fährt wenigstens in eines der unzähligen Shopping-Zentren.

Wer Menschenscharen nicht mag und nicht gerne im Stau steht, bleibt also an Pessach besser zuhause.

Genau das machen auch wir. Die Kinder hängen faul herum, schauen fern oder geniessen die neuen Gartenmöbel. Mir wird schnell langweilig, deshalb putze ich, räume auf, koche, werkle etwas im Garten. Da ich Frühaufsteherin bin, habe ich mein Tagessoll aber meist schon um die Mittagszeit erledigt un…

Sie sind da!

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Mir nahestende Mitmenschen behaupten, dass ich mich nur schwer oder gar nicht entscheiden könne. Ich finde, das stimmt überhaupt nicht. Ich wäge nur jeweils alle in Frage kommenden Möglichkeiten geflissentlichst ab. Sortiere aus, was zu viele Nachteile hat. Vergleiche die verbleibenden Optionen. Hole Meinungen von anderen ein. Erst wenn ich ganz genau weiss, was ich will, schlage ich zu. Und dann bin ich zufrieden. Dieses Vorgehen hat sich bis anhin in den meisten Lebensfragen als äusserst erfolgreich bestätigt.

So kommt es auch, dass ich während der Suche nach den perfekten Gartenmöbeln für unsere neue Pergola zum Gespött meiner Familie wurde. Fast ein Jahr lang besichtigte ich alle in der näheren und weiteren Umgebung liegenden Gartenmöbel-Center und wog ab. Rattan, Aluminium oder Holz? Aluminium. Aber weiss oder grau? Ein Dreier- oder ein Ecksofa? Mit Tisch oder ohne? Langsam langsam kristallisierte sich mein Entschluss heraus und dann schlug ich zu. Jetzt sind die neuen Möbel da u…

Auf Heimatbesuch

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Alltag. Die Tage rasen dahin. Immer ist etwas los, es findet sich kaum Zeit zum Schreiben. Ein Bombeneinschlag im Nachbardorf, eine Schweizreise, die Wahlen, endlich neue Gartenmöbel. Bevor ich beim Blogschreiben endgültig den Anschluss verpasse, möchte ich versuchen, eiligst noch etwas nachzuholen und vielleicht doch noch den davonrasenden Zug zu erwischen.

In der ersten Aprilwoche durfte ich spontan geschäftlich nach Basel reisen. In der Filiale meines Arbeitgebers im Zentrum Basels standen Meetings mit der aus den USA angereisten Chefin und mit Mitarbeitern auf dem Programm, von denen ich bis anhin nur die Stimme am Telefon kannte. Dabei war aber nicht von allzu ernsthafter Arbeit die Rede, es handelte sich eher um gesellschaftliches Zusammenfinden, um sich bei gemeinsamen Mahlzeiten (Basel hat einige sehr gute Restaurants, vor allem, wenn die Firma bezahlt) und Aktivitäten (ein geführter Stadtrundgang) kennenzulernen.


Vor einer Ewigkeit, in einem anderen, früheren Leben, hatte i…

Party mit Überraschungen

Donnerstagabend. Zusammen mit einigen Bekannten sind wir zu einer Geburtstagsfeier bei einem Abendessen in Tel-Aviv eingeladen. Obwohl es in Tel-Aviv eine Vielzahl bester Restaurants gibt, ist der neueste Hype „Eat with“ – kulinarische Erlebnisse bei privaten Gastgebern. Unsere Gastgeber sind Tomer, der – bevor er seine Kochleidenschaft zum Beruf machte – Chemie studierte und seine Frau Yael, welche ein Praktikum als Juristin absolviert. Ihre zwei kleinen Kinder schlafen schon, als wir in der modern renovierten Wohnung in einem älteren Haus in der Jabotinsky-Strasse eintreffen. Tomer und Yael haben in ihrer Stube die Sofas zur Seite gerückt und zwei grosse Tische gedeckt. Das vielversprechende Menü in sieben Gängen liegt sorgfältig gedruckt neben den Tellern. Während Tomer in der offenen Küche den ersten Gang kocht, essen wir knusprige selbstgebackene Foccaccia und mit Trüffeln und gedörrten Zwetschgen gewürzte Butter. Das Brot und die Butter sind köstlich und verheissen einen vielver…

Tischlein deck dich!

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Unsere Tochter ist seit einigen Wochen Serviceverantwortliche in einem Schicki-Micki-Restaurant. Seit Sivan in dieser prestigereichen Funktion für den gesamten Service und das Servicepersonal zuständig ist, geht nun auch das ganze Drumherum bei unseren Familienmahlzeiten etwas anders über die Bühne: Als hätte sie nie etwas anderes getan, verteilt sie rigoros Aufgaben wie Tisch decken, Weinflasche öffnen, Getränke auftischen, abräumen, Geschirrspüler einräumen, undsoweiter. Sämtliche Anwesenden werden effizient rekrutiert, Befehle werden verteilt und erstaunlicherweise läuft unter dem energischen Regiment plötzlich alles ganz zackig ab. Ich staune nur noch – wo hat sie nur diese Autorität her? Ich selbst habe jahrelang immer vorgezogen, alles – meist zunehmend frustriert und verärgert – gleich selbst zu erledigen, weil ich im voraus schon wusste, dass ich nicht nachdrücklich genug sein würde, um die verwöhnten Kinder in Fahrt zu bringen. Sie hingegen setzt ein breites Lächeln auf, kom…