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Abenteuer in Indien

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Eine Arbeitskollegin beklagt sich, dass sie ständig viel zu beschäftigt sei, gerade auch privat. Sie hat drei noch jüngere Kinder und ich kann mich gut erinnern, dass auch für uns Juni immer eine sehr ausgelastete Zeit war. Täglich gab es Abschlussparties: im Judokurs, im Ballettkurs, in der Unterstufe, in der Oberstufe. Klassenfeste, Elternabende und Orientierungsanlässe für die kommenden Ferienprogramme oder das Pfadilager reihten sich aneinander. Es nahm jeweils kein Ende und damit wir zwei oder mehr Anlässen an einem Abend Folge leisten konnten, benötigten wir einiges an Organisationstalent und mussten manchmal noch ein drittes Kind mitschleppen, das eigentlich schon längst ins Bett gehörte.

Das ist aber schon einige Jahre her. Nun ist unser Haus ruhig, die Kinder sind nicht mehr zuhause. Ich habe den ganzen Abend nichts zu tun. Das aufgewärmte Essen steht schon in der Küche und wartet auf hungrige Kunden. Ja, der Boden müsste geschrubbt werden und die Fenster waren auch schon sa…

Gedanken am Rhein

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Vier Stunden Flug trennen mich von der brodelnden Hexenküche und dem Paradies auf Erden.

In den Tagen vor meinem Abflug in die Schweiz ist im und um den Gazastreifen immer noch die Hölle los. Zehntausende Palästinenser, von der Hamas aufgestachelt und trotz drohender Lebensgefahr in die brenzlige Zone geschickt, werfen Steine, Molotowcocktails, Granaten und Brandkörper über den Grenzzaun. Auf der israelischen Seite stehen Weizenfelder, Kirschenplantagen und ganze Naturreservate in Flammen. Die randalisierenden Palästinenser fackeln den Grenzübergang ab (wo sonst lebensnotwendige Güter die Grenze passieren) und demolieren ihre eigene Stromversorgung und alles muss mit israelischen Geldern wieder aufgebaut werden. Unsere Soldaten liegen schwitzend im heissen Sand um Gaza und lassen sich mit steigender Frustration mit gefährlichen selbstgebastelten Brandobjekten bewerfen. Viele Palästinenser werden erschossen.

Auf dem Weg zur Arbeit vernehme ich aus dem Radio, dass Israel trotz der Krie…

Achtsamkeit

Ich gebe zu, ich bin ein ziemlicher Freak meines Smartphones. Ich liebe die Möglichkeiten, die es mir bietet. Mein Tag beginnt mit einem Blick in die Wetter-App, damit ich weiss, was ich anziehen soll. Im Morgenstau lese ich mein aktuelles Buch auf der Kindle-App (bitte nicht der Verkehrspolizei verraten). Während im Büro der Computer hochfährt, lebe ich auf Instagram mein Fotografier-Hobby aus. Nachmittags und abends eile ich von Termin zu Termin, an welche mich meine Kalender-App geflissentlichst erinnert und am Abend lasse ich den Tag auf dem Sofa beim Lesen deutschsprachiger Medien meiner Wahl über Facebook ausklingen. Beim Joggen gibt mir die Running-App gewissenhaft Bescheid, wieviele Kilometer ich schon gelaufen bin und die dazu gehörende Navigations-App sorgt dafür, dass ich beim Geländelaufen nicht verloren gehe. Weil ich oft alleine laufe, verfüge ich ausserdem über die Notfall-App des Magen David Adom, des israelischen Notfallrettungsdienstes. Im Falle eines Herzinfarktes, …

Drum prüfe, wer sich ewig bindet...

Die genauen Zahlen sind mir nicht bekannt, aber ich schätze, dass von 350 Mitarbeitern, die bis vor Kurzem an meinem Arbeitsplatz angestellt waren, etwa 150 im vergangenen Quartal wegrationiert worden sind. Nun stehen zahlreiche Büros leer. Im Zuge der Umstrukturierung sollen demnächst etwa 100 Mitarbeiter von einem anderen Sitz hierher verlegt werden. Darüber bin ich nicht sonderlich erfreut, denn ich habe eine gravierende Merkschwäche für Gesichter und Namen. Dass die vereinzelten Personen, die ich mir mit Mühe habe merken können, jetzt mit unzähligen neuen Gesichtern durchgemischt und aufgefrischt werden sollen, ist für mich verheerend.
In Vorbereitung für die „neuen“ Mitarbeiter und um das Durcheinander komplett zu machen, wird unsere Sitzordnung in den Büros neu organisiert und diese Woche findet der grosse Umzug statt.
Vor einigen Tagen musste auch ich umziehen. Die mysteriöse höhere Macht, die über die Büro-Zuteilung entscheidet, teilte mir ein Zweier-Zimmer mit einem mir unb…

Wir haben gewonnen!

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Manchmal erwacht man morgens zu einem Fast-Krieg mit Iran und manchmal erwacht man morgens zu einem Sieg Israels im Eurovision-Songcontest. Nun, eigentlich wusste ich nicht erst am Morgen, dass „wir“ gewonnen haben, denn meine Tochter schaute sich den Contest an und nachts um zwei ging in der Stube das Siegesgebrüll los. Ich konnte mich also schon ab diesem triumphalen Moment bis am Morgen im Siegesruhm sonnen.

Wahrscheinlich scheren sich die meisten Europäer einen Deut um den Songcontest und das ist angesichts des immer mehr zu einer grotesken Show verkommenden „Schlagerfestivals“ verständlich. Aber die lebensfreudigen Israelis, die Musik und Feiern lieben, fiebern bei diesem Wettbewerb jedes Jahr mit und der gestrige Sieg der israelischen Repräsentantin versetzt das ganze Land in Ekstase. In Tel-Aviv, der Stadt die niemals schläft, tanzten die Leute um drei Uhr morgens in den Strassen. Dabei hielten sie wohl nicht nur Lebensfreude und Stolz über den Sieg vom Schlafen ab, sondern au…

Duschen unter Lebensgefahr

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Wie man den Medien entnehmen kann, ist in den nächsten Tagen ein Krieg mit dem Iran zu erwarten. Wie man den Medien auch entnehmen kann, hat niemand auch nur die geringste Ahnung, wie sich dieser Krieg entwickeln wird. Je nachdem, welche Zeitung man liesst, ist jedes Szenario möglich, von einer mickrigen Nacht- und Nebelaktion bis hin zu einem apokalyptischen Nuklearkrieg. Das beunruhigt mich natürlich sehr und ich versuche, möglichst nicht daran zu denken, denn sonst zerplatzt mir der Kopf.

Als der amerikanische Präsident Trump bekanntgab, dass sich die Vereinigten Staaten aus dem Atomabkommen mit dem Iran zurückziehen werden, ging ich mit dem höchst beunruhigenden Gefühl schlafen, dass wir den Morgen vielleicht nicht mehr erleben werden.

Der Morgen kam dann doch, der Wecker klingelte wie immer und als ich zum Lauftraining fahre, ist alles beim Alten: Stau in den Strassen, der Himmel leicht bewölkt. Sieht so der Anfang einer Apokalypse aus?

Ausgerechnet beim Duschen geht der Alarm …

Der Lieferservice

Vor einigen Tagen habe ich mich von einem Spezialangebot verlocken lassen und per Internet ein Paar neue Laufschuhe bestellt. Die Schuhe werden mir bequem nach Hause geliefert, der Fahrer des kleinen Lieferwagens übergibt sie mir an der Haustüre. Leider passt die Grösse nicht genau, das lässt sich, nachdem ich einige Proberunden im lockeren Dauerlauf um unser Sofa gedreht habe, nicht leugnen. Aber Umtauschen ist kein Problem: Ich muss nur auf der entsprechenden Webseite „Grösse umtauschen“ anklicken und schon ist der Schuh-Lieferant erneut zu mir unterwegs, um die Schuhe abzuholen und gegen ein hoffentlich passendes Paar umzutauschen. Ich staune. Wir sind wahrlich in der Zukunft angelangt.

Ebenfalls ins Staunen versetzt mich die überraschende Lieferung von drei Zitronen, die heute morgen in meinem Garten liegen, obwohl mein Zitronenbaum keine Früchte trägt und ausserdem in der gegenüberliegenden Ecke des Gartens steht. Die Zitronen liegen unter der Gartenschaukel und kommen mir wie g…