Urlaub und wieder zuhause

Blick auf die Alpen vom Passwang
Unser Urlaub in Barcelona und der Schweiz vergeht in Windeseile. Barcelona ist sehr vielfältig und interessant und die Schweiz besticht einmal mehr mit Postkartenansichten, wohin man nur blickt – wenn es einmal nicht grau und bewölkt ist. Während mich aber in Israel immer das "Heimweh" plagt, wird mir, sobald ich Schweizer Boden betrete klar, dass ich doch nicht mehr hierher gehöre. Alles ist so gewohnt und doch so fremd. So ist Urlaub in der Schweiz für mich immer auch eine reichlich anstrengende Auseinandersetzung mit mir selbst. Ich fahre, gehe, wandere, spaziere durch diese Landschaften, Dörfer und Städte und fühle, das bin hundertprozentig ich, ich bin aus diesem Holz geschnitzt und doch empfinde ich eine Unbehaglichkeit, als wäre ich ein Kuckucksei im fremden Nest. Wo bin ich eigentlich zuhause? Für welches Land schlägt mein Herz? Was bedeuten mir meine Schweizer Wurzeln? Was bedeutet dieses Land, in welchem ich schon bald dreissig Jahre nicht mehr lebe, für mich? Könnte/möchte ich wieder hier leben?

Am Tag unseres Rückflugs reisen wir frühmorgens mit dem Zug nach Zürich. Draussen ist es kalt, grau und dunkel, es nieselt - typisches Schweizer Herbstwetter. Auch als wir um neun Uhr ankommen, liegt immer noch alles grau in grau. Im Zug lesen die Reisenden Zeitung oder tragen Kopfhörer und es ist so ruhig, dass wir beim Öffnen eines raschelnden Plastiktütchens mit zwei letzten Schweizer Gipfeli das Gefühl haben, dass sich alle Augen auf uns richten. Wir Israelis schauen uns an und müssen lachen. Jetzt glotzten die Mitreisenden erst recht.

Bei der Ankunft in Tel-Aviv hingegen herrscht heilloses Durcheinander: mehrere Flüge landen vor Shabbat zur gleichen Zeit. In der Ankunftshalle stürmen Menschen in alle Richtungen. Draussen kämpfen Busse, Taxen, Privatwagen und Fussgänger hupend und lärmend um den Vorrang auf der Strasse.

Lärm, Menschen, Durcheinander und vor allem Sonne – Leben! Ich atme auf und fühle mich zuhause.

Kommentare

Fragmentage hat gesagt…
Das hast du schön geschrieben! Ich kenne dieses Gefühl auch sehe gut, dass man nicht mehr richtig "Heimatbürger" ist, obwohl man auch im neuen Land immer noch ab und an Heimweh hat und aneckt , weil man eben auch kein Eingeborener ist.
Kennst du übrigens das Blog meiner Freundin Chutzpi? Sie ist auch Schweizerin in Israel: klick

LG,
Hadassa
Yael Levy hat gesagt…
Ja, kenne ich und lese mit, danke!

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