Geburtstag

Heute ist mein Geburtstag. Das hat für mich keine besondere Bedeutung, ausser dass die Uhr tickt und das unvermeidbare Ende wieder etwas näher rückt… Es ist nur eine Zahl, versuche ich mir einzureden, aber dass ich schon mehr als die Hälfte überschritten habe, ist unbestreitbar, selbst wenn mir ein langes Leben wie das von Shimon Peres vergönnt wäre. 

Ausserdem ist dieser absolut unspektakuläre Tag eingeklemmt zwischen einem langen Feiertagswochenende und unserer morgigen Reise nach Spanien und in die Schweiz. Ein vollgepackter Arbeitstag also, dann noch Besorgungen und Kofferpacken. Zum Feiern werde ich heute bestimmt keine Zeit finden, da der Grund dafür aber eine bevorstehende Urlaubsreise ist, macht mich das ganz und gar nicht traurig.

Während ich versuche, im Büro alles Notwendige nach- und vorzuholen, treffen auf meinem Smartphone schon frühmorgens die ersten Geburtstagswünsche ein. Gegen Mittag nimmt die Anzahl der Meldungen zu: über facebook, WhatsApp und Messenger gratulieren mir mehr oder weniger Bekannte zum Geburtstag. Menschen aus Israel, der Schweiz und anderen Ländern, von Neuseeland bis Kanada. Sogar meine Töchter, die mich in wenigen Stunden zu Hause wieder zur Schnecke machen werden, müssen unbedingt der besten Mutter auf dieser Welt über facebook zum Geburtstag gratulieren. Einige Personen laden Fotos mit mir hoch und beglückwünschen mich, andere antworten darauf, so entstehen Wortwechsel und Antwortstränge, ohne dass ich mich einmische. Irgendwann, zwischen der Gratulation des Bürgermeisters meines Wohnorts (!) und den Grüssen von G. aus Neuseeland, mit welcher ich vor dreissig Jahren meinen ersten Tauchkurs absolviert habe, verliere ich die Übersicht. Likes, Grüsse, Wünsche, Gratulationen. Das Gerät macht sich selbständig und während ich mich auf die Arbeit konzentriere, geht in der Party meines virtuellen Lebens so richtig die Post ab und ich bin nicht sicher, ob das alles etwas mit mir zu tun hat. Zwischen letzten eiligen Reisebesorgungen nachmittags und Kofferpacken am Abend werfe ich ab und zu amüsiert einen Blick auf das heisslaufende Gerät, das den ganzen Tag surrt, piepst und zirpt. Erst Nachts, nach einigen letzten Zuckungen (Bekannte aus den USA) verstummt es wieder – das Fest ist vorbei.

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