Der Blick aus dem Fenster erfolgt aus Israel, wo ich seit 1988 lebe. Geboren und aufgewachsen bin ich in der Schweiz. Aus meinem Fenster blicken auch Eyal, mein israelischer Mann und meine erwachsenen, sehr israelischen Kinder, Sivan, Itay und Lianne. Die Personen sind echt, unsere Namen aber frei erfunden.
Sonntag, 17. Februar 2019
Frühling
Weil mich dieses Wochenende zuviele Fotos aus der Schweiz erreichten und ich immer wieder neidvoll auf Berge und Skigebiete mit strahlend blauem Himmel blicken musste, während es bei uns so sehr stürmte, regnete und hagelte, dass man gar nicht nach draussen konnte und weil es jetzt, gerade nach dem Regen, am allerschönsten ist, genehmigte ich mir heute morgen einen ausgedehnten Streifzug durch die Natur. Jetzt bin ich wieder sicher, dass der Rasen des Nachbarn gar nicht grüner ist als unserer oder aber auf jeden Fall – bestimmt nicht blühender!
Mittwoch, 13. Februar 2019
Zum Jubiläum...
Als wüsste man bei der BAZ vom Jubiläum meiner Brustkrebsdiagnose, erscheint in diesen Tagen ein Interview, welches ich mit solchem Wohlgefallen lese, dass ich dem zuständigen Journalisten sogar verzeihe, dass es für mich mit drei Jahren Verspätung kommt.
Nach meiner Brustkrebsdiagnose und vor allem in der Zeit nach der Behandlung machte ich mir unzählige Gedanken über die Frage, warum ich an Krebs erkrankt war. Was war der Trigger für das Entstehen eines Tumors und was hatte sein Wachstum in meinem Körper ermöglicht? Hätte ich mit gesünderer Lebensweise die Krankheit vermeiden können? Trug ich Schuld an meiner Krankheit? Ich vermutete, dass Krebs eine Zufallskrankheit ist, grübelte aber doch viel über krebsfördernde Nahrungsmittel, Umwelteinflüsse und die Bedeutung der psychischen Konstitution auf die Gesundheit nach. Heute, fast drei Jahre später, bin ich in meinem Glauben gefestigt, dass bestimmte Nahrungsmittel oder Umwelteinflüsse zwar ungesund sein können, es aber keinen Sinn mehr macht, wenn man im Alter von 55 aufhört, Würste oder Zucker zu essen. Fast noch mehr Kopfzerbrechen bereitete mir aber die allgemeingültige Meinung, dass Gelassenheit, Ausgeglichenheit und Zufriedenheit Voraussetzung für intakte Gesundheit seien. Als eine Kollegin viele Jahre vor mir an Krebs erkrankte, dachte ich insgeheim „Kein Wunder, so zerrüttet wie ihr Leben und so verbittert wie sie ist...“. So ist es auch nicht erstaunlich, dass ich mir nach der eigenen Diagnose bei jedem Streit mit dem Partner, den Kindern, bei Ungewissheit im Job oder sonstigem seelischem Stress einbildete, ich würde den nächsten Tumor schon in mir wachsen fühlen.
Unterdessen stehe ich wieder so sicher im Leben, dass ich esse worauf ich Lust habe, ab und zu Alkohol trinke und sogar mit mehreren Handys neben dem Bett schlafe. Wenn mich an manchen Tagen seelischer Unmut oder Verstimmungen fast zu erdrücken scheinen, nehme ich das heute wieder gelassen. Ein bisschen Stress wirft mich nicht mehr aus der Bahn. Ich habe die Annahme verworfen, dass ich Einfluss auf mein Immunsystem oder die Zellbildung in meinem Körper hätte. Doch zu dieser Überzeugung zu gelangen, war für mich ein langwieriger Prozess.
Prof. Dr. med. Bernhard Pestalozzi ist Leitender Arzt Onkologie und stellvertretender Direktor an der Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie des Universitätsspitals Zürich und seine Worte sind einfach, klar und deutlich. Es hätte mir damals nach der Diagnose gut getan, wenn mir die zuständigen Fachleute so klipp und klar vermittelt hätten, dass ich mir über meine seelische Verfassung nicht den Kopf zermartern sollte.
Hier ein kurzer Auszug aus dem Interview vom 6.2.2019 in der BAZ:
BAZ: Mit welchem Vorurteil über Krebs wollen Sie aufräumen?
Nach meiner Brustkrebsdiagnose und vor allem in der Zeit nach der Behandlung machte ich mir unzählige Gedanken über die Frage, warum ich an Krebs erkrankt war. Was war der Trigger für das Entstehen eines Tumors und was hatte sein Wachstum in meinem Körper ermöglicht? Hätte ich mit gesünderer Lebensweise die Krankheit vermeiden können? Trug ich Schuld an meiner Krankheit? Ich vermutete, dass Krebs eine Zufallskrankheit ist, grübelte aber doch viel über krebsfördernde Nahrungsmittel, Umwelteinflüsse und die Bedeutung der psychischen Konstitution auf die Gesundheit nach. Heute, fast drei Jahre später, bin ich in meinem Glauben gefestigt, dass bestimmte Nahrungsmittel oder Umwelteinflüsse zwar ungesund sein können, es aber keinen Sinn mehr macht, wenn man im Alter von 55 aufhört, Würste oder Zucker zu essen. Fast noch mehr Kopfzerbrechen bereitete mir aber die allgemeingültige Meinung, dass Gelassenheit, Ausgeglichenheit und Zufriedenheit Voraussetzung für intakte Gesundheit seien. Als eine Kollegin viele Jahre vor mir an Krebs erkrankte, dachte ich insgeheim „Kein Wunder, so zerrüttet wie ihr Leben und so verbittert wie sie ist...“. So ist es auch nicht erstaunlich, dass ich mir nach der eigenen Diagnose bei jedem Streit mit dem Partner, den Kindern, bei Ungewissheit im Job oder sonstigem seelischem Stress einbildete, ich würde den nächsten Tumor schon in mir wachsen fühlen.
Unterdessen stehe ich wieder so sicher im Leben, dass ich esse worauf ich Lust habe, ab und zu Alkohol trinke und sogar mit mehreren Handys neben dem Bett schlafe. Wenn mich an manchen Tagen seelischer Unmut oder Verstimmungen fast zu erdrücken scheinen, nehme ich das heute wieder gelassen. Ein bisschen Stress wirft mich nicht mehr aus der Bahn. Ich habe die Annahme verworfen, dass ich Einfluss auf mein Immunsystem oder die Zellbildung in meinem Körper hätte. Doch zu dieser Überzeugung zu gelangen, war für mich ein langwieriger Prozess.
Prof. Dr. med. Bernhard Pestalozzi ist Leitender Arzt Onkologie und stellvertretender Direktor an der Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie des Universitätsspitals Zürich und seine Worte sind einfach, klar und deutlich. Es hätte mir damals nach der Diagnose gut getan, wenn mir die zuständigen Fachleute so klipp und klar vermittelt hätten, dass ich mir über meine seelische Verfassung nicht den Kopf zermartern sollte.
Hier ein kurzer Auszug aus dem Interview vom 6.2.2019 in der BAZ:
BAZ: Mit welchem Vorurteil über Krebs wollen Sie aufräumen?
Herr Pestalozzi: Krebs entsteht nicht, weil man die falsche psychische Haltung oder zu viel Stress hat. Wenn es um das Verhalten geht, so kann ich nur sagen: Hören Sie um Himmels willen mit dem Rauchen auf! Das ist wirklich wichtig. Krebs ist eine körperliche Krankheit; es sind Zellen, die sich unkontrolliert vermehren. Das hat nichts mit negativem Denken zu tun! Krebs ist keine seelische Krankheit. Wer dieser Meinung ist, bürdet den Betroffenen zusätzlich die Schuld an ihrer Krankheit auf.
BAZ: Gibt es Studien dazu?
Herr Pestalozzi: Ja. Und die zeigen: Depressive Menschen erkranken später nicht häufiger an Krebs. Es gibt keine «Krebspersönlichkeit».
BAZ: Gibt es Studien dazu?
Herr Pestalozzi: Ja. Und die zeigen: Depressive Menschen erkranken später nicht häufiger an Krebs. Es gibt keine «Krebspersönlichkeit».
Dienstag, 29. Januar 2019
Die Feinschmeckerfreundin
In der Schule meiner Tochter Lianne ist es seit einiger Zeit zur Gewohnheit geworden, dass die Schulkolleginnen ihren Freundinnen zum Geburtstag einen Geburtstagskuchen in die Schule bringen. Dem Perfekten-Instagrambilder-Zeitalter entsprechend übertreffen sich die Mädchen dabei immer mehr mit überbordenden Schokoladedekorationen. Die Kuchen werden mit Schokoladeriegeln, Schokoladekugeln, Pralinen und allen möglichen Süssigkeiten beladen und oft entstehen dabei bedrohlich befrachtete Werke, die an den Turmbau zu Babel erinnern. Einmal musste ich meine Tochter sogar mit so einem kunstvollen Gebilde zur Schule fahren, weil sie damit ja nicht den Schulbus nehmen konnte. Was man nicht alles für die lieben Kleinen macht! Oft bekommt ein Geburtstagskind mehrere Schokoladekreationen auf einmal, die die Kinder dann in der Pause gemeinsam verschlingen.
Was für ein erfreuliches Kompliment für meine Kochkünste, als die Freundin meiner Tochter ausrichten lässt, sie wünsche sich für ihren Geburtstag nicht etwa einen weiteren Schokoladekuchen, sondern – genau dasselbe Avocado-Pausenbrot, um welches sie meine Tochter jeweils beneidet!
Hier das Rezept für das begehrte und offensichtlich schulbekannte Avocadosandwich:
Gutes frisches Brot. Reife Avocado, in dünne Scheiben geschnitten, leicht auf dem Brot zerdrückt und mit wenig Salz und einigen Tropfen Zitrone gewürzt. Mit einigen hauchdünnen Scheiben Fetakäse und dünnen Tomaten- und Paprikascheiben belegen. Guten Appetit! Und alles Gute zum Geburtstag!
Was für ein erfreuliches Kompliment für meine Kochkünste, als die Freundin meiner Tochter ausrichten lässt, sie wünsche sich für ihren Geburtstag nicht etwa einen weiteren Schokoladekuchen, sondern – genau dasselbe Avocado-Pausenbrot, um welches sie meine Tochter jeweils beneidet!
Hier das Rezept für das begehrte und offensichtlich schulbekannte Avocadosandwich:
Gutes frisches Brot. Reife Avocado, in dünne Scheiben geschnitten, leicht auf dem Brot zerdrückt und mit wenig Salz und einigen Tropfen Zitrone gewürzt. Mit einigen hauchdünnen Scheiben Fetakäse und dünnen Tomaten- und Paprikascheiben belegen. Guten Appetit! Und alles Gute zum Geburtstag!
Dienstag, 8. Januar 2019
2019
Morgen für Morgen betrete ich dasselbe Büro. Sitze stundenlang auf demselben Stuhl. Vor demselben Bildschirm. Trinke Kaffee aus derselben Tasse. Bearbeite dieselben Dokumente, die nie zur Neige gehen. Esse in der Kantine dasselbe Essen. Führe in der Kaffeeküche dieselben Gespräche. Trete am Ende des Tages aus derselben Türe und fahre nach Hause.
Ich betrachte die im Fenster vorbeiziehenden Wolken und nehme wahr, wie statisch hier drinnen alles ist. Wie sich alles ins Unendliche wiederholt, während die Zeit – wie die Wolken – nie stehenbleibt und die Jahre vergehen.
Samstag, 29. Dezember 2018
Feiertage
Die Weihnachts- und Neujahrstage gehen bei uns, erwartungsgemäss, sang- und klanglos vorbei. Kein Urlaub, kein Umherrennen, um Geschenke zu besorgen, kein Weihnachtsbaum, keine Silvesterparty. Arbeit, Alltag, die üblichen Verrichtungen, alles ganz unweihnachtlich. Kein Zeichen von Festlichkeit. In Haifa und anderen Orten, in denen Christen leben, soll es einige Feierlichkeiten geben, aber davon bekomme ich nichts mit, denn ich verbringe die Tage im Büro. Wenigstens geht es hier etwas ruhiger zu und her, denn auch unsere amerikanischen Arbeitskollegen sind im Feiertagsurlaub. Und ich? Zum Kaffee esse ich Weihnachtsgebäck, das ich per Post erhalten habe. Ich bringe Schokoladekläuse ins Büro und behänge damit die Topfpflanzen. Und in Gedanken verweile ich bei meiner Familie in der Schweiz.
Dass diese Tage hier so unbeachtet vorbeigehen, lässt mich nicht kalt. Einst konnte ich es sogar kaum ertragen. Unterdessen bin ich aber wohl schon einiges integrierter, oder einfach ernüchtert. Ich weiss, dass die meisten Feiernden in Europa Weihnachten nur als Pflichtprogramm angehen. Niemand hat so richtig Lust auf Familientreffen mit zu vielen Anwesenden, zu viel Lärm und zu viel Durcheinander. Die Kommerzialisierung des Festes finde ich abstossend. Und – die Geburt Jesu feiern? Zum Glück muss ich mich damit nicht auseinandersetzen. Ich hätte grösste Mühe, die traditionellen Festlichkeiten mitzufeiern oder gar meinen Kindern zu überliefern, ohne den tieferen Sinn zu hinterfragen. Und doch. Ganz gleichgültig werden mich diese Tage nie lassen. Denn Erinnerungen und Traditionen sind das, was in uns nie sterben kann.
Wenn ich an Weihnachten meiner Kindheit denke, erinnere ich mich an Tage des ungeduldigen Wartens auf das bezaubernde Fest. An Abende am Familientisch im Advent mit Kerzen, Liedern und Naschereien. An versteckte Geschenke im Kämmerchen, die wir durch das Schlüsselloch erspähen konnten. An nächtliche Schneeballschlachten auf dem Weg zur Weihnachtsmesse. An Schokolade, von welcher jede Nacht immer mehr vom geschmückten Baum verschwand, während der Dieb nie gefunden wurde. Auch Neujahr wurde immer gefeiert, und wenn es nur ein Rimuss war, den wir Kinder am Silvesterabend feierlich aus Sektgläsern trinken durften. Vor allem aber denke ich wehmütig an die klirrende Kälte, den Schnee und die ruhige, verzauberte Winterlandschaft.
Wer die „Heimat“ verlässt, wird auf Ewig als Entwurzelter zwischen zwei Welten leben. Das bedeutet auch, dass ich von beiden Welten das wählen kann, das mir zusagt. Unterdessen habe ich das viel beschaulichere und bescheidenere Chanukka lieben gelernt. Und doch vermisse ich etwas Unklares schmerzlichst, wobei mir ganz rationell bewusst ist, dass es sich wohl grösstenteils um Illusionen handelt. Illusionen einer Heimat. Sie werden nie verschwinden, auch wenn man nicht mehr an sie glaubt.
Mittwoch, 26. Dezember 2018
Unfall am Kinafluss
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| Empfangskomitee in der Wüste |
Unter der Woche sind Eyal und ich oft rund um die Uhr viel zu beschäftigt, deshalb gehen wir die Wochenenden gerne etwas gemütlicher an. Wir tun möglichst einfach NICHTS und es kann schon vorkommen, dass sich die Kinder wundern, wieviele Stunden wir müssig auf dem Sofa ausharren, während sie kommen und gehen. Nur ab und zu, wenn ich mich selbst vor Langeweile nicht mehr riechen kann, treffen wir uns mit Freunden, gehen ins Kino oder unternehmen einen Ausflug oder eine Wanderung.
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| Hier lächelt Eyal noch nichtsahnend in die Kamera, während der Gestürzte im Hintergrund schon am Boden liegt |
Wie aufregend die Wanderung am Wochenende werden würde, das konnten wir nicht ahnen, als wir der Einladung von einigen wanderfreudigen Bekannten zusagten. Unser Ziel war eine Rundwanderung in der Judäa-Wüste. Die Route verläuft im trockenen Flussbett des Kinaflusses und steigt schon im ersten Drittel in eine schmale Schlucht hinab, in welche der Fluss – in der kurzen Zeit des Jahres, in welcher er Wasser führt – über eine schroffe Felswand stürzt. Als wir am am oberen Teil der Felswand eintrafen, war kurz vor uns schon eine grössere Wandergruppe dort angekommen und mir fiel auf, dass unter den herumstehenden Wanderern eine seltsame Unruhe herrschte und mehrere der Leiter aufgeregt in ihre Funkgeräte sprachen. Wir hielten uns aber nur sehr kurz auf, um die spektakuläre Schlucht im Hintergrund zu fotografieren. Dann begannen wir den Abstieg in die Schlucht. Nach wenigen Minuten hatten wir das untere Becken des Wasserfalles erreicht, in welchem sich auch in der trockenen Jahreszeit immer Wasser befindet. Aus einem erfrischenden Bad wurde aber nichts, denn bald entdeckten wir mit Grauen, dass am Rande des Beckens ein schwer verletzter Wanderer lag, der am ganzen Körper zitterte und lautstark stöhnte. Nach einem kurzen Wortwechsel mit anderen Wanderern kapierten wir schockiert das Unfassbare: der Mann, der zu der Gruppe gehörte, die wir eben überholt hatten, war offensichtlich wenige Minuten vorher die ganze etwa zwanzig Meter hohe Felswand hinuntergestürzt. Er hatte Glück im Unglück und war unten im Wasserbecken gelandet. Jemand hatte ihn herausgefischt und einige Herbeigeeilte leisteten erste Hilfe.
Wir entfernten uns und legten an einem der nächsten kleinen Wasserbecken eine Pause ein, versuchten uns von dem Schock zu erholen, kochten Kaffee und rätselten, wie der Verletzte wohl aus der Schlucht transportiert werden würde. Zu uns gesellten sich weitere Wanderer und eine Familie mit drei kleineren Kindern und einem Hund, die allesamt badeten.
Bald sahen wir Rettungsleute in leuchtendorangen Shirts und grossen Rucksäcken emsig die Schlucht hinunterklettern. Wenige Minuten später tauchte auch schon die Ambulanz in Form eines grossen Rettungshelikopters über unseren Köpfen am Rande der Schlucht auf. Wenn wir aber bis vor Kurzem gedacht hatten, dass wir von hier aus gemütlich dem Rettungsspektakel beiwohnen könnten, wurde uns nun blitzschnell klar, dass die kommenden Minuten alles andere als beschaulich sein würden. Der Helikopter versuchte, sich dem Wasserbecken am schmalen Ende der Schlucht zu nähern und verursachte dabei einen ohrenbetäubenden Lärm. Sand und Kieselsteine peitschten uns ins Gesicht und schon flogen die ersten Mützen, Kleidungsstücke, Brillen und Rucksäcke durch die Luft. Augenblicklich stoben alle Wanderer davon und flüchteten in die entgegengesetzte Richtung, in den flächer werdenden Teil der Schlucht. Auch ich packte meinen Rucksack und kletterte eilig auf allen Vieren davon. Zurückblickend sah ich, dass Eyal der Familie half, die badenden Kinder aus dem Wasserbecken zu ziehen. Weitere Männer kümmerten sich um den grossen Hund, der vor Schreck erstarrt keinen Schritt mehr vor- oder rückwärts zu machen gewillt war. Ich nahm mich der grösseren beiden Kinder an, die nun zu mir gestossen waren, schnappte ihre Schuhe, Kleider und Rücksäcke und gemeinsam suchten wir Schutz hinter einem Felsvorsprung. Während unsere Eingeweide und Trommelfelle ob dem höllischen Lärm zu zerbersten drohten, konnten wir beobachten, wie zwei Männer und eine Bahre aus dem Helikopter abgeseilt wurden.
Dann drehte der Helikopter ab und flog einige Runden über der Schlucht, während – so nehme ich an, denn das entzog sich unseren Blicken – der Verletzte behandelt und auf der Bahre festgezurrt wurde. Diese Pause benutzten wir, um unsere in alle Richtungen davongestobenen Wanderkollegen wiederzufinden und dann die Wanderung weiterzuführen. Wie der Verletzte in den Helikopter hochgezogen wurde, sahen wir dann erst am Abend zuhause in den Nachrichten.
Die Wanderung legten wir noch wie geplant zurück, aber unsere Gedanken und Gespräche drehten sich den ganzen Tag nur um den unglücklich Gestürzten. So sorgfältig wie an diesem Samstag habe ich noch auf keiner Wanderung jeden einzelnen Schritt gewählt. Und nun bin ich wieder bereit für einige langweilige Wochenenden in der heimischen Stube.
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| Wasserbecken laden zum Baden ein |
Dann drehte der Helikopter ab und flog einige Runden über der Schlucht, während – so nehme ich an, denn das entzog sich unseren Blicken – der Verletzte behandelt und auf der Bahre festgezurrt wurde. Diese Pause benutzten wir, um unsere in alle Richtungen davongestobenen Wanderkollegen wiederzufinden und dann die Wanderung weiterzuführen. Wie der Verletzte in den Helikopter hochgezogen wurde, sahen wir dann erst am Abend zuhause in den Nachrichten.
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| Die Kamele scheren sich einen Deut um das ganze Spektakel |
Donnerstag, 20. Dezember 2018
Regen
Wenn sie denken, dass der in den Sommermonaten in Europa ausgebliebene Regen irgendwo im Universum verdunstet wäre, dann täuschen sie sich. Er ist einfach geographisch umgezogen und ergiesst sich nun bei uns. Wie aus Kübeln. Das ist fantastisch. Wir können die Wassermassen gut gebrauchen. Schon ist alles grün. Es lebe der Klimawandel!
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