Es sind aufregende Zeiten. Vieles ist los, vieles steht bevor, im Privaten wie auch im Weltgeschehen. Wer die Nachrichten verfolgt, muss zum Schluss kommen, die Welt sei aus den Fugen geraten. Die Spirale aus Hass und Irrsinn spitzt sich weltweit so rasant zu, dass es ruhig geworden ist in meinem Blog und auch bei vielen meiner Bloggerkolleginnen. Manche Entwicklungen machen sprachlos.
Doch trotz all dem Lärm und den bedrückenden Schlagzeilen gibt es für mich viele erfreuliche Aussichten. Das hilft, den negativen Trubel um mich herum auszublenden. Vielleicht ist es auch eine bewusste Entscheidung, worauf man seinen Blick richtet.
Mit Erfreulichem meine ich nicht nur die Feiertage, von denen das Neujahrsfest bereits hinter uns liegt. Es sind persönliche Ereignisse, die mich optimistisch stimmen und mich gerade mit grosser Neugier auf das erfüllen, was vor mir liegt.
Itay, der vor einiger Zeit die Schweiz zu seinem festen Wohnsitz gemacht hat, verbringt seit Anfang September zwei Monate in Israel. Wir geniessen seine Anwesenheit. Wie es danach für ihn weitergehen wird, ist noch offen.
Lianne wiederum richtet gerade ihre erste Wohnung in Universitätsnähe ein. Sobald alles bereit ist, wird sie dort gemeinsam mit zwei Freundinnen in einer WG wohnen. Dann werden die drei Kinderzimmer in unserem Haus leer stehen. Wieder endet ein Kapitel, während das nächste bereits beginnt.
Und - noch etwas weiter entfernt, doch unverkennbar näherrückend, hat sich mein bevorstehender Renteneintritt in mein Blickfeld geschoben. Die Zeit bis dahin schrumpft. Der Countdown läuft.
Ausserdem stehen noch einige weitere persönliche spannende Neuigkeiten bevor, über die ich im Moment nicht öffentlich schreiben möchte.
Und dann gibt es noch ein Ereignis, das alles andere in den Schatten stellt: Wir warten auf unser erstes Enkelkind. Ich denke oft an die Tage vor der Geburt meines ersten Kindes. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie grundlegend sich mein Leben verändern würde. Heute geht es mir ähnlich. Ich kann noch nicht wirklich erfassen, was die Geburt eines Enkelkindes für mich bedeuten wird. Im Moment gerade ist die Spannung kaum noch auszuhalten. Jede Minute kann es losgehen.
Weniger erfreulich sind die täglichen Schlagzeilen und die antisemitischen Ausfälle im Ausland. Der Palästina-Aktivismus ist zu einem absurden Religionsersatz geworden – rational nicht zu erklären. Die bevorstehenden Wahlen sorgen für zusätzlichen Lärm auf der innenpolitischen Bühne. Ehrlich gesagt rechne ich auf diesem Gebiet nicht mit grundlegenden Veränderungen.
Doch das permanente Getöse geht mir zutiefst gegen den Strich. Meine Schweizer Seele sehnt sich nach Normalität und weniger Aufgeregtheit. Nach Problemen, die vielleicht knifflig, aber letztlich gewöhnlich und vielleicht sogar lösbar sind. Nach Problemen, die nicht mit Krieg, Pogromen, Trauma und Judenhass zu tun haben.
Liannes neuer Nebenjob bringt diese Sehnsucht rasch wieder auf den Boden der Realität. Sie begleitet ein elfjähriges Mädchen aus Kfar Aza, das den 7. Oktober überlebt hat. Die Familie lebt noch immer als Evakuierte fern ihres niedergebrannten Kibbutz. Was Mutter und Tochter über jene Stunden erzählen, geht unter die Haut. Horrorgeschichten aus erster Hand, die in unserem Alltag immer präsent sind.
Zum Glück gibt es den Garten. Die große Hitze lässt langsam nach, und morgens kann ich wieder mit einer Tasse Kaffee draussen sitzen. Während die Mangos reifen und ab und zu eine vom Baum fällt, freue ich mich über Momente der Ruhe und Normalität.
Dass der Mangobaum inzwischen den ganzen Garten überschattet und jeder Kontrolle entgleitet, ist zwar ebenfalls ein Problem. Aber ich übe mich darin, mich weder über den Baum noch über die Hasstiraden in den Medien allzu sehr aufzuregen – mit unterschiedlichem Erfolg.
Neben dem Stricken der Babyausstattung habe ich gerade ein wunderbares Buch zu Ende gelesen: Grossmama packt aus von Irene Dische. Es ist eines von den Büchern, bei denen man das Lesen der letzten Seite hinauszögern möchte. Selten habe ich eine Familiengeschichte gelesen, die vor einem so tragischen historischen Hintergrund spielt und dennoch so witzig und hochkomisch erzählt wird. Die ungewöhnliche Erzählperspektive und der feine Witz haben mich begeistert. Immer wieder staune und schmunzle ich über bestimmte Textabschnitte, die ich gerne hier wiedergeben würde. Doch das würde zuviel – also bitte selber lesen! Ich werde jedenfalls gleich nach dem nächsten Buch von Irene Dische Ausschau halten.
Und Wolle für das nächste Babyprojekt ist auch schon bestellt.