Donnerstag, 24. September 2026

Gedankenfetzen




Beim Morgenlauf durch den Hayarkonpark flattern ungeordnete Gedankenfetzen durch meinen Kopf, einer nach dem andern. Der Park ist zu dieser frühen Stunde wunderschön. Das Licht liegt golden auf dem Yarkon, Bäume spiegeln sich im glatten Wasser. Hunde werden spazieren geführt. Hübsche junge Menschen ziehen joggend ihre Runden. 

Was für ein Ort! Was für eine Stadt! 

Tel-Aviv könnte es leicht mit Barcelona, Nizza oder Rom aufnehmen. Sonne, Meer, Restaurants, Kultur, originelle Lokale, Nachtleben, Lebenslust. Schicke, herzliche, humorvolle Menschen. Liberalität und Modernität. Fortschritt, Lust am Neuen, Erfindergeist, Hightech.

Gut, bei italienischer Pasta müssen wir passen – aber niemand ist perfekt.

Doch Israel ist für den internationalen Tourismus alles andere als „in“. Die verdrehten Narrative, Brunnenvergifter- und Genozidmärchen haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Wer will schon im „Land der Kindermörder“ Urlaub machen?
Israel ist auf der Weltbühne in allen Bereichen – Politik, Kultur, Sport – zum ultimativen Feindbild avanciert. Das ist absurd, wenn man weiss und sieht, was hier wirklich los ist. Es macht mich zutiefst betroffen, traurig und ratlos.

Schade, denke ich – aber, na ja, selber schuld! Wer braucht schon diese wohlstandsverwöhnten Weltverbesserer und ihre Mitläufer, die ohne Ahnung von Geschichte und Kultur Urteile fällen? Ausserdem möchte ich diesen Park gar nicht mit Touristenmassen teilen. Deshalb kann Tel-Aviv gerne ein Insider-Tipp bleiben. Ein Ziel für die wenigen Reisenden, die die wahren Perlen zu schätzen wissen. Die selber denken können. Die Zivilcourage und Rückgrat haben und ausserdem das Herz auf dem rechten Fleck. 

Unser Vorteil! Und die anderen? Tant pis! Sollen sie sich doch in Kreta und Mallorca gegenseitig auf die Füsse treten. Sie verpassen etwas und werden es nie wissen!

Der Yarkon glitzert. Farbige Vögel steigen aus dem Schilf und fliegen davon. Einige thailändische Arbeiter stehen angelnd am Ufer. Sie wünschen mir freundlich einen guten Morgen. Die Sonne steht inzwischen etwas höher. Ich laufe weiter. Man muss beim Laufen nicht jeden Faden zu Ende spinnen. Noch gut zwei Kilometer, dann bin ich am Meer.


Ein Samstagabend in Tel-Aviv



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