Mittwoch, 7. Oktober 2026

Das kleine Würmchen ist da!


Was für eine Aufregung! Unser Enkel ist heute schon elf Tage alt, und wir gewöhnen uns Schritt für Schritt und mit grosser Freude an die einschneidende Veränderung. Bis jetzt verläuft alles bestens – genau so, wie man es sich erhoffen würde. 
Das junge Paar wohnt seit der Geburt bei uns. Das bedeutet viel gemeinsame Freude, aber natürlich auch jede Menge Arbeit. Ein Haushalt mit sechs, manchmal sogar sieben Bewohnern und vielen Besuchern muss in Schuss gehalten werden.

Im Zentrum aller Aufmerksamkeit steht das kleine, knapp vier Kilo schwere Bündel Mensch. Er wird gewickelt, gefüttert, gebadet, getragen, liebevoll gebettet, aufmerksam zugedeckt, besungen und natürlich bestaunt. Alle Familienmitglieder packen gemeinsam an, um dem kleinen Kerlchen seinen Start ins Leben so angenehm wie möglich zu gestalten.
Ich werde den Kleinen hier Yossi nennen, denn so haben wir ihn im Scherz bis zur Bekanntgabe seines Namens bei der Brit Mila genannt.

Ich glaube, dass Yossi mich jetzt schon besonders mag. Noch scheint er zwar keine Kontrolle über seine Gesichtsausdrücke zu haben – aber wenn er mich anschaut, bin ich ganz sicher, dass er sich besonders anstrengt, mich anzulächeln!
Es ist wunderschön zu beobachten, wie meine Tochter stillt und wie verliebt sie in das kleine Wesen ist. Es ist ein grosses Glück, diese ersten Tage gemeinsam erleben zu dürfen.

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Die Freude über das neue Leben steht neben der Sorge über das, was in der Welt geschieht. Der sich in schockierendem Ausmass ausbreitende Hass auf Juden und Israelis in weiten Teilen der Welt liegt schwer auf meiner Seele. Und der heutige Tag, der 7. Oktober, der dritte Jahrestag des grössten Pogroms an Juden seit der Schoa, ist dabei sozusagen die Krönung.

Die Erinnerung an die bestialischen Gräueltaten jener Tage begleitet uns immer – doch heute besonders. Neben dem bedrückenden Gedenken an die Betroffenen ist die Flut an haarsträubenden Lügen und hasserfüllten Kommentaren besonders quälend. Wir wagen es kaum, in die sozialen Medien zu gucken. Dabei bekommen wir jedoch die Berichte, die Trauer, die Verzweiflung und die Ohnmacht ungefiltert aus erster Hand mit.

Heute habe ich die Facebook-App von meinem Handy gelöscht. Was mir dort entgegenschlägt, ist einfach nicht mehr zu ertragen. Diese Tage sind schon schwer genug.

Ich möchte unseren kleinen Yossi anschauen. Wie er jeden Tag ein bisschen wächst und stärker wird. Sein nur mir gewidmetes Lächeln sehen. Mich über unsere wachsende, lustige, herzliche, manchmal chaotische Familie freuen.
Dieses kleine neue Leben erinnert mich daran, was es trotz allem gibt: Nähe, Liebe, Familie, Zukunft und Hoffnung.