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Drum prüfe, wer sich ewig bindet...

Die genauen Zahlen sind mir nicht bekannt, aber ich schätze, dass von 350 Mitarbeitern, die bis vor Kurzem an meinem Arbeitsplatz angestellt waren, etwa 150 im vergangenen Quartal wegrationiert worden sind. Nun stehen zahlreiche Büros leer. Im Zuge der Umstrukturierung sollen demnächst etwa 100 Mitarbeiter von einem anderen Sitz hierher verlegt werden. Darüber bin ich nicht sonderlich erfreut, denn ich habe eine gravierende Merkschwäche für Gesichter und Namen. Dass die vereinzelten Personen, die ich mir mit Mühe habe merken können, jetzt mit unzähligen neuen Gesichtern durchgemischt und aufgefrischt werden sollen, ist für mich verheerend.
In Vorbereitung für die „neuen“ Mitarbeiter und um das Durcheinander komplett zu machen, wird unsere Sitzordnung in den Büros neu organisiert und diese Woche findet der grosse Umzug statt.
Vor einigen Tagen musste auch ich umziehen. Die mysteriöse höhere Macht, die über die Büro-Zuteilung entscheidet, teilte mir ein Zweier-Zimmer mit einem mir unb…

Wir haben gewonnen!

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Manchmal erwacht man morgens zu einem Fast-Krieg mit Iran und manchmal erwacht man morgens zu einem Sieg Israels im Eurovision-Songcontest. Nun, eigentlich wusste ich nicht erst am Morgen, dass „wir“ gewonnen haben, denn meine Tochter schaute sich den Contest an und nachts um zwei ging in der Stube das Siegesgebrüll los. Ich konnte mich also schon ab diesem triumphalen Moment bis am Morgen im Siegesruhm sonnen.

Wahrscheinlich scheren sich die meisten Europäer einen Deut um den Songcontest und das ist angesichts des immer mehr zu einer grotesken Show verkommenden „Schlagerfestivals“ verständlich. Aber die lebensfreudigen Israelis, die Musik und Feiern lieben, fiebern bei diesem Wettbewerb jedes Jahr mit und der gestrige Sieg der israelischen Repräsentantin versetzt das ganze Land in Ekstase. In Tel-Aviv, der Stadt die niemals schläft, tanzten die Leute um drei Uhr morgens in den Strassen. Dabei hielten sie wohl nicht nur Lebensfreude und Stolz über den Sieg vom Schlafen ab, sondern au…

Duschen unter Lebensgefahr

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Wie man den Medien entnehmen kann, ist in den nächsten Tagen ein Krieg mit dem Iran zu erwarten. Wie man den Medien auch entnehmen kann, hat niemand auch nur die geringste Ahnung, wie sich dieser Krieg entwickeln wird. Je nachdem, welche Zeitung man liesst, ist jedes Szenario möglich, von einer mickrigen Nacht- und Nebelaktion bis hin zu einem apokalyptischen Nuklearkrieg. Das beunruhigt mich natürlich sehr und ich versuche, möglichst nicht daran zu denken, denn sonst zerplatzt mir der Kopf.

Als der amerikanische Präsident Trump bekanntgab, dass sich die Vereinigten Staaten aus dem Atomabkommen mit dem Iran zurückziehen werden, ging ich mit dem höchst beunruhigenden Gefühl schlafen, dass wir den Morgen vielleicht nicht mehr erleben werden.

Der Morgen kam dann doch, der Wecker klingelte wie immer und als ich zum Lauftraining fahre, ist alles beim Alten: Stau in den Strassen, der Himmel leicht bewölkt. Sieht so der Anfang einer Apokalypse aus?

Ausgerechnet beim Duschen geht der Alarm …

Der Lieferservice

Vor einigen Tagen habe ich mich von einem Spezialangebot verlocken lassen und per Internet ein Paar neue Laufschuhe bestellt. Die Schuhe werden mir bequem nach Hause geliefert, der Fahrer des kleinen Lieferwagens übergibt sie mir an der Haustüre. Leider passt die Grösse nicht genau, das lässt sich, nachdem ich einige Proberunden im lockeren Dauerlauf um unser Sofa gedreht habe, nicht leugnen. Aber Umtauschen ist kein Problem: Ich muss nur auf der entsprechenden Webseite „Grösse umtauschen“ anklicken und schon ist der Schuh-Lieferant erneut zu mir unterwegs, um die Schuhe abzuholen und gegen ein hoffentlich passendes Paar umzutauschen. Ich staune. Wir sind wahrlich in der Zukunft angelangt.

Ebenfalls ins Staunen versetzt mich die überraschende Lieferung von drei Zitronen, die heute morgen in meinem Garten liegen, obwohl mein Zitronenbaum keine Früchte trägt und ausserdem in der gegenüberliegenden Ecke des Gartens steht. Die Zitronen liegen unter der Gartenschaukel und kommen mir wie g…

Laufen oder davonlaufen?

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Nach meiner Laufflaute im Winter wegen Grippe, Hüftschmerzen, stürmischem Wetter, schlechter Laune und anderen mehr oder weniger plausiblen Gründen, trainiere ich jetzt ganz bewusst wieder intensiver. Ich habe mir vorgenommen, viermal in der Woche zu laufen und dabei die wöchentliche Gesamtkilometerzahl immer mehr zu erhöhen. In den letzten zwei Wochen, bei perfektem Wetter, habe ich das ganz gut durchgezogen und ich merke schon, wie sich meine Ausdauer verbessert und das Laufen leichter fällt. Heute laufe ich zwölf Kilometer und während dem Laufen denke ich unvermittelt, dass Laufen mit Flüchten assoziiert wird. Flüchte ich? Wovor laufe ich eigentlich davon?

Ich bin kein ehrgeiziger Mensch und ich habe kein Ziel. An Wettkämpfen nehme ich schon lange nicht mehr teil. Was motiviert mich, viermal in der Woche in den frühen Morgenstunden aus dem Bett zu hüpfen und noch vor dem Frühstück sinnlos durch die Gegend zu rennen? Beim Laufen fühle ich mich stark und vital, aber die körperliche…

Mein Senf zum Weltfrieden

Mit den nachfolgenden Zeilen möchte ich auf den Beitrag einer Blog-Nachbarin eingehen. Eigentlich wollte ich nur einen Kommentar zu ihrem Artikel schreiben, dieser wurde dann aber etwas länger und um ihre Kommentarspalte nicht zu sprengen, gebe ich jetzt meinen Senf hier zum Besten, in der Hoffnung, dass unsere Blogs nun nicht zu Schlachtfeldern der Meinungen und Anfeindungen über den Palästinakonflikt werden, denn dies ist ein explosives Thema! 
In all den Jahren, in denen ich auf verschiedene Arten im Netz unterwegs bin, habe ich mich immer davor zurückgehalten, über den “Nahostkonflikt” zu diskutieren. Einerseits, weil ich auch nach dreissig Jahren in Israel die Situation immer noch lerne und nicht mit Menschen diskutieren mag, die sich nach dem Lesen einiger Schlagzeilen eine mehr oder weniger festgefahrene Meinung bilden (damit meine ich auf keinen Fall dich, liebe Schreibschaukel!), andererseits weil ich durch mein Auswandern in ein anderes Land gelernt habe, dass wir alle Brill…

Shvil Israel

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Der Shvil Israel (oder INT, Israel National Trail, der israelische Nationalwanderweg) ist eine Pilgerroute, die in 44 Etappen über 1,050 Kilometer das Land Israel vom Norden bis in den Süden durchquert. Der Shvil Israel soll eine der schönsten Fernwanderwegen der Welt sein. Auf der Webseite von Christian Seebauer kann man mehr über den Trail lesen, der mit spektakulären Landschaften in einem aufregenden Land, meist angenehmem Wetter und hilfsbereiten Mitwanderern und Einheimischen aufwartet. 

Der Trail führt vom Kibbuz Dan im Norden durch Galiläa und am See Genezareth entlang, durchs Karmelgebirge zum Mittelmeer, an der Küste nach Tel Aviv, an Jerusalem vorbei und durch die Negev-Wüste bis ans Rote Meer im Süden. Gemäss der Topologie des Landes ändert der Trail seinen Charakter mehrmals: Er schickt den Wanderer über sanfte Hügel, durch unwegsame Schluchten, am Strand entlang und durch bewohnte und landwirtschaftlich geprägte Gebiete. Im Süden führt der Pfad auf einem etwa vierhundert…