Sonntag, 15. März 2026

Ein Wochenende zwischen Sirenen



Sirenengeheul, Schutzräume und ein Alltag, der von Raketenangriffen bestimmt wird – vermutlich werden diese Themen noch eine Weile hier vorherrschen.
Ich weiss, vieles wiederholt sich in meinen Berichten. Wie gerne würde ich abwechslungsreichere Geschichten aus unserer Ecke erzählen.

Lianne fuhr für das Wochenende mit Freundinnen nach Eilat. Sie war damit nicht allein. Tausende Israelis waren ebenfalls aus dem Zentrum des Landes geflüchtet, um ein paar Tage Abstand und Ruhe zu finden. Bis letzten Donnerstag hatte es in Eilat kaum zehn Alarme gegeben, einige davon sogar Fehlalarme. Verglichen mit Tel Aviv, wo die Sirenen schon hundert mal heulten, war die südliche Touristenstadt – bis vor kurzem – fast ein idyllisches Paradies.

Doch Lianne scheint die Alarme irgendwie anzuziehen. Schon an ihrem ersten Morgen gingen auch in Eilat die Sirenen los. Die Hotelgäste wurden aus den Betten gerissen und suchten Schutz im Treppenhaus. In den Stunden danach folgten weitere Raketenangriffe aus dem Iran auf die Stadt. Eine Streurakete schlug an sieben verschiedenen Orten ein und verursachte beträchtlichen Schaden. Es gab Verletzte, darunter ein zwölfjähriger Junge.

In unserer näheren Umgebung schlug in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag eine Rakete in einem nur sechs Kilometer entfernten Dorf ein. Sie traf den Garten eines Hauses, zerstörte mehrere Gebäude und hinterliess eine Schneise der Verwüstung. Die Familie überlebte unverletzt – im Schutzraum ihres inzwischen schwer beschädigten Hauses.

Ich war zu diesem Zeitpunkt noch wach. Die dumpfen, kräftigen Schläge der Abwehrsysteme – auf die oft kurz darauf das Sirenengeheul folgt – sind uns inzwischen vertraut. Wenn nach den Abfangraketen weitere schwere Schläge zu hören sind, weiss man: das ist kein gutes Zeichen.
Der Einschlag liess auch bei uns alles erzittern; die Pergola bebte, Fenster und Rollläden rüttelten laut.

Danach blieb es bei uns am Freitag und Samstag zunächst ruhig – während Lianne nach Eilat geflüchtet war. Am Freitag verbrachte ich sogar zwei Stunden in einem Einkaufszentrum in Netanya. Menschen schlenderten durch die Geschäfte, kauften ein, sassen in Cafés und Restaurants – fast wie zu friedlichen Zeiten.

Erst nach Liannes Rückkehr ging es wieder weiter. Letzte Nacht wurden wir erneut aus dem Schlaf gerissen: um zwei Uhr dreißig und noch einmal um sechs Uhr dreißig. Am Morgen fand man abgeschossene Raketenteile in einem der Erdbeerfelder entlang meiner Laufroute.

Auch in Tel Aviv soll es heute Schäden durch herabfallende Raketenteile gegeben haben. Für die Menschen dort ist die Situation nur schwer zu ertragen. Die Angriffe kommen unaufhörlich, in immer neuen, dichten Wellen. Viele Wohnungen haben keinen Schutzraum. Freunde von Sivan haben vor zehn Tagen ein Kind bekommen – im raketensicheren Keller eines Krankenhauses. Seit ihrer Rückkehr nach Hause laufen sie nun mehrmals täglich – und auch nachts – mit ihrem Neugeborenen zum Schutzraum der Nachbarn. Wenn das nicht zeigt, was gute Nachbarschaft bedeutet!

Israeli, die im ebenfalls stark beschossenen Norden leben, kenne ich kaum. Da die Hisbollah aus nächster Nähe feuert, muss es dort ganz schlimm sein. Verwandte aus einem der nördlichen Kibbuzim sind – wie viele andere auch – zu Familien in etwas sicherere Gegenden gezogen. In den Medien verfolge ich Berichte über unaufhörlichen Beschuss.

Für Lianne begann am Sonntag trotzdem das zweite Semester. Online natürlich – mit einer Statistik-Vorlesung, ausgerechnet ihrem meistgehassten Fach. Immerhin hat sie sich in Eilat eine neue Trainingshose gekauft. Jetzt ist sie auch für das Fernstudium im Raketenalltag top gekleidet.

Ihre Zusammenfassung der ersten Lektion klang ungefähr so: „Bla, bla, bla – lauter statistische Fachausdrücke, die ich nicht verstehe. Dann Raketenalarm. Der Dozent rennt in den Schutzraum. Tel Aviv wird zerstört (es hat Einschläge gegeben). Danach wieder bla, bla, bla – noch mehr statistische Fachausdrücke, die ich nicht verstehe." 
Wie soll man unter solchen Umständen etwas lernen?

So sieht im Moment unser Alltag aus: Sirenen, kurze Wege zum Schutzraum, ungewöhnliche Wohnsituationen, vielerorts Zerstörung. Sich immer wieder aufrappeln. Keine Möglichkeit, irgendetwas zu planen. Dazwischen erstaunlich normale Momente: Menschen gehen einkaufen, sitzen im Café, arbeiten, beginnen ein neues Semester.

Während ich diesen Text schreibe, hoffe ich, dass der nächste Blogeintrag möglichst bald wieder von ganz anderen Dingen handeln kann.

Kreative Idee in einem geteilten Schutzraum in Tel-Aviv

Schutzsuchende in einem öffentlichen Schutzraum in Tel-Aviv




Dienstag, 10. März 2026

Brüchiger Alltag

Nur kurze Zeit nach der Veröffentlichung meines letzten Beitrags, in welchem ich die Gefahr der Raketen etwas heruntergespielt habe, tötete eine iranische Rakete zwei Menschen und verletzte mehrere weitere. Die Rakete brach in der Luft auf, und zahlreiche Sprengkörper schlugen verstreut im Grossraumgebiet Tel-Aviv ein.

Ich befand mich während der Einschläge im Schutzraum meines Büros, von dem ich hoffe, dass er seiner Bezeichnung Ehre macht. Im Gegensatz zum Schutzraum zu Hause ist er geräumig, gut ausgestattet und bietet Platz für Dutzende Menschen. Mein Büro liegt direkt daneben, fünf Sekunden, und ich bin unten.

Doch trotz der hervorragenden Einrichtungen ist das Bürogebäude fast menschenleer. Längere Anfahrtswege halten meine Kollegen davon ab, zur Arbeit zu fahren. Autofahren gleicht einem Spiessrutenlauf – Sirenen unterwegs zu erleben, ist alles andere als angenehm. Und dann sind da ja noch die Kindergarten- und Schulkinder, die zu Hause betreut werden müssen.

Doch ich geniesse den Tag im Büro. Zuhause treibt mich das ständige Hin und Her zwischen Hausarbeit, ablenkenden Familienmitgliedern und dem verzweifelten Versuch, im Homeoffice konzentriert zu bleiben, fast in den Wahnsinn.

Auch mein Sporttraining am frühen Morgen hat wieder Spass gemacht, war belebend und verlief – im Gegensatz zum Tag davor – sogar ohne Sirenengeheul. Eine kleines Stück Normalität, an dem man sich festhalten kann.

Gegen Mittag fand unser monatliches Teammeeting statt, diesmal online anstatt im Besprechungsraum. Es war ein surreales Treffen: fünfzehn Menschen, über das ganze Land verteilt, die nur darüber sprechen, welche Stadt gerade mehr oder weniger sicher ist, wie viele Sirenen es bei jedem gegeben hat, wer einen eigenen Schutzraum hat und wer nicht, und dass man in Schutzräumen in Zukunft Toiletten einbauen sollte. Dieser Krieg ist nur einige Tage alt, aber ich kann mich schon nicht mehr erinnern, worüber man spricht, wenn man nicht im Krieg lebt. Nach wenigen Minuten zwangen uns die Sirenen erneut, uns in Eile zu zerstreuen. Ich eilte in den Schutzraum im Keller – siehe oben.

Kurz nachdem ich mich am späteren Nachmittag ins Auto setzte, um nach Hause zu fahren, meldete das Radio erneut Raketen aus dem Iran. Am Strassenrand standen Menschen, die vorsichtiger als ich schon ihre Autos neben öffentlichen Schutzräumen angehalten hatten. Ich fuhr weiter und schaffte es tatsächlich ohne Alarm nach Hause.

Es ist deprimierend in diesen Tagen: Müssiggang ist in lebensbedrohlichen Situationen keine Option, aber Arbeiten ist kaum möglich. Meine Motivation erreicht einen Tiefpunkt. Es ist schwer, Sinn in der Arbeit zu erkennen, wenn man sich ständig um seine Sicherheit sorgen muss und wenn die Zukunft völlig ungewiss ist.

Doch noch nervenaufreibender als das Sirenengeheul ist das Auseinanderfallen des gewohnten Rahmens – das Gefühl, dass die Normalität Stück für Stück zerbricht.


Sonntag, 8. März 2026

Gedanken



Gibt es ein System in der Abfolge der Raketenangriffe und der darauf folgenden Luftschutzalarme? Manchmal denke ich an die Menschen, die im Iran – und jetzt auch im Libanon – die Raketen zünden. Wonach richten sie sich? Wann erscheint ihnen ein guter Zeitpunkt, eine Raketensalve auf Zivilisten in den befeindeten Nachbarländern abzufeuern? Schauen sie abends erst noch eine Serie zu Ende, stehen dann von ihrer Pritsche auf – oder von einem Nachmittagsschläfchen – und denken: Na dann, feuern wir mal wieder? Oder sind sie rund um die Uhr damit beschäftigt, Raketen herbei- und auf die Träger zu laden, schaffen das aber nur zu völlig zufälligen Zeiten? 

Manchmal wirkt das Timing besonders perfide: Eine halbe Stunde nachdem man endlich eingeschlafen ist, eine Stunde bevor man aufstehen sollte, oder genau in dem Moment, in dem man sich gerade den Teller voll geschöpft hat. Dann muss man schleunigst aus dem warmen Bett springen und vielleicht mit einer Decke – oder im zweiten Fall, mit dem vollen Teller – in den Schutzraum eilen.

Aber nein, ein System scheint es nicht zu geben. An manchen Morgen werde ich vom Vogelgezwitscher oder vom Kitzeln eines Sonnenstrahles geweckt und bin erst einmal erstaunt, dass es tatsächlich eine ganze Nacht lang ruhig gewesen ist.

Unser Dorf liegt in einer vergleichsweise sicheren Region. Ich persönlich nehme die Bedrohung durch Raketen deshalb relativ gelassen. Die Wahrscheinlichkeit, in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden, ist um ein Vielfaches grösser. Einen eigenen Schutzraum im Haus zu haben, ist ein grosses Privileg. Für Menschen – vor allem Familien mit Kindern –, die nachts mehrmals in die Keller von Mehrfamilienhäusern laufen müssen, ist die Situation wesentlich belastender.

Doch für alle von uns sind die kriegsbedingte Bedrohung, das Gefühl der Kontrolllosigkeit und das markerschütternde Geheul der Sirenen nervenaufreibend. Die wenigen, wenn auch seltenen, direkten Einschläge richten grossen Schaden an und können tödlich sein. Und auch die herabfallenden Teile abgefangener Raketen sind gefährlich.

Ich selbst bin jedoch alles andere als panisch. Ja, es kommt sogar vor, dass ich einen Alarm verschlafe, oder ihn einfach nicht hören will.
Am Wochenende habe ich auch nicht auf meine längere Laufrunde verzichtet. Die Feld- und Waldwege waren auffallend menschenleer. Wie schade um diesen wunderbaren Frühlingsmorgen. Sollten tatsächlich die Sirenen heulen, während ich unterwegs bin, könnte man den nächsten öffentlichen Schutzraum aufsuchen, oder sich in den Strassengraben legen. Oder einfach weiterlaufen. Das fühlt sich dann sehr surreal an – ist mir aber auch schon passiert.

Liannes zweites Semester wird nächste Woche online starten – ob und wann die Nachprüfungen stattfinden werden, steht jedoch in den Sternen. Zu der normalen Unsicherheit am Anfang einer akademische Laufbahn kommt nun eine Zukunft, die in der Schwebe steht. Dementsprechend hält sich die Motivation zum Lernen in engen Grenzen. Um halbwegs bei Verstand zu bleiben, hat sich Lianne eine kreative Theorie erdacht, wonach der Krieg gar nicht real ist. Sie stellt sich vor, dass die ganze Situation – die Sirenen, die dumpfen Schläge und die lauten Knallgeräusche – inszeniert sind. Eine Art „Truman Show“, sozusagen. Nun ja, wer weiss. Ob echt oder künstlich konstruiert: Ich bin auf jeden Fall froh und dankbar, dass der Staat Israel für effektive Abwehr- und Schutzeinrichtungen sorgt.

Fest steht: Der Krieg hat uns alle im Griff.

Seit Mittwoch sind die angeordneten Schutzmassnahmen allerdings etwas gelockert worden: Menschenansammlungen bis zu fünfzig Personen sind wieder erlaubt, sofern ein erreichbarer Schutzraum in der Nähe ist. Das bedeutet, dass Läden und zum Beispiel Fitnesszentren wieder geöffnet haben.
Ab Montag darf ich auch wieder ins Büro gehen. Für viele Berufstätige ist das allerdings alles andere als eine Erleichterung – die Schulen bleiben weiterhin geschlossen und die Kinder müssen betreut und beschäftigt werden.

Das junge Paar hat am Wochenende einen Versuch unternommen, in ihre Wohnung in Tel-Aviv zurückzukehren. Nach nicht einmal einem Tag standen sie jedoch kleinlaut wieder vor unserer Tür. Dreimal nachts – kurz nach Mitternacht und dann wieder um fünf und um halb sieben – und zusätzlich mehrmals tagsüber in öffentliche Schutzräume zu laufen, reicht ihnen vorerst. Dann doch lieber bei den Eltern wohnen, auch wenn wir uns gelegentlich gegenseitig auf die Nerven gehen.
Ich freue mich jedenfalls, dass sie wieder da sind. Das familiäre Beisammensein und die Tatsache, dass man nirgendwo hingehen kann, haben sogar etwas Gemütliches. Schade nur, dass es einen Krieg braucht, um das zu bemerken.

Wie oft man an verschiedenen Orten in die Schutzräume rennen muss, lässt sich übrigens hier nachverfolgen (leider nur auf hebräisch). Im nördlichen Teil Tel-Avivs heulten seit Beginn des Krieges am 28. Februar bis zum Zeitpunkt dieses Posts 69-mal die Sirenen. Bei uns dagegen nur 23-mal. Im Vergleich ist das fast schon friedlich.



Kurzum: Die ganze Situation ist absurd. Es gibt keinen geregelten Alltag. Wir befinden uns auf unbestimmte Zeit im Hausarrest. Die Sirenen und die Explosionen, die die Fenster erzittern lassen, sind furchterregend. Die Einschläge hinterlassen tiefe Krater und grosse Schäden in Wohngebieten.

Am meisten Angst macht mir jedoch das globale Chaos und die Ungewissheit. Und da sitzen wir ja alle mehr oder weniger im selben Boot.
Wie wird das alles weitergehen?



Montag, 2. März 2026

Homeoffice, sofern möglich

Tel-Aviv, Blick auf Jaffa, vor zwei Wochen 



Ein Campari und zwei Gläser Wein, im Homeoffice. Es tut mir leid – anders war das heute nicht auszuhalten.

Wir zählen Tag zwei im unfreiwilligen Hausarrest. Fünf erwachsene Personen unter einem Dach. 

Draussen herrscht eine Ruhe wie an Yom Kippur, dabei fängt heute das Purimfest an. Doch statt fröhlich verkleideter Kinder und Maskenumzüge sind die Strassen menschenleer. Alles ist wie leergefegt – ein beunruhigender Anblick: und das obwohl die Primarschule gleich über die Strasse liegt. Keine spielenden Kinder, keine Menschen, keine Autos.
Menschenansammlungen sind untersagt: sämtliche Erziehungseinrichtungen, Restaurants, Fitness- und Sportcenter – geschlossen.
Die Anlage meiner Firma ist – ausser der Produktion – verriegelt. Ich soll, sofern möglich, von zu Hause aus arbeiten. Doch „sofern möglich“ ist ein dehnbarer Begriff.

Nur in unseren vier Wänden ist von Ruhe nichts zu spüren: Lianne hat die Noten einer weiteren Semesterprüfung erhalten. Katastrophe, Weltuntergang, Existenzkrise. „Alle anderen sind besser als ich“, schluchzt sie und zweifelt ernsthaft an ihrer Studienwahl. In solchen Situationen hilft bei ihr ausschliesslich eine hochwirksame Dosis Süssigkeiten. Frustriert tigert sie im Zehn-Minuten-Takt in die Küche.

Sivan und der Schwiegersohn sind aus Tel-Aviv zu uns „geflohen“ und wohnen im ehemaligen Kinderzimmer. Sivan ist schwanger und chronisch hungrig. Sie steht in der – meiner – Küche und schnippelt, rührt, brät und backt in einer Frequenz, die uns alle nervös macht. Doch ich hüte mich, etwas zu sagen, denn ihre Laune gerät gerade leicht aus der Balance.

Meine Vorstellung von einem gemeinsamen Mittagessen rückt immer weiter in die Ferne. Jeder hat andere Wünsche, jeder isst zu einer anderen Uhrzeit. Im Laufe des Tages entwickelt sich das alles zu einem aufwendigen und nie endenden Mehr-Gänge-Menü. Berge von schmutzigem Geschirr häufen sich an.

In meinem Homeoffice-Raum residiert mein Schwiegersohn vor drei Bildschirmen und versucht, den Börsenmarkt unter Kontrolle zu halten. Zahlen flackern, Diagramme stürzen ab. Auch seine Laune schwankt entsprechend zwischen himmelhoch-jauchzend und zu Tode betrübt.

Eyal und ein Mann in Arbeitskleidung und schmutzigen Schuhen gehen unterdessen zum Hundertsten mal die Treppe rauf und runter. Ziel: der Dachboden. Mission: Wiederbelebung des Heisswasserboilers, der seit gestern streikt. Sie öffnen und schliessen sämtliche Wasserhähne im Haus, schrauben, fluchen, testen.

Und ich? Ich versuche kläglich, mich im Wohnzimmer in die Arbeit einzuloggen. Wie klein auf diesem Laptop plötzlich alles ist. Trotz Brille und Zoom kann ich ohne den zusätzlichen Bildschirm nur mit grösster Mühe erkennen, ob ich überhaupt das richtige Dokument bearbeite.

Immerhin: Seit einigen Stunden bleiben die Luftschutzalarme aus, wenigstens in unserem Dorf. Seit Samstagmorgen und bis vor Kurzem schrillten auch bei uns immer wieder markdurchdringende Sirenen. Wir mussten alles stehen und liegen lassen (Kochen, Duschen, Schlafen) und in den hauseigenen Schutzraum laufen. 
Das Abfeuern der Raketenabwehrsysteme erzeugt starke, dumpfe Knallgeräusche in schneller Folge. Die Fenster zittern, alles vibriert.

Während ich schreibe, schrillen im Zentrum Israels wieder die Sirenen. Wenig später erfolgt die Meldung über einen direkten Einschlag.

Doch bei uns bleibt es verdächtig still. Wahrscheinlich überdenkt der Feind seine Strategie. Es kursieren Gerüchte über schwieriger abzuwehrende Streumunition.

Zum Glück hat mich der Wein inzwischen schläfrig gemacht. 
Das schmutzige Geschirr, die Prüfungen, die Börse, der Krieg. 
Mir ist jetzt alles egal.