Abenteuer Radfahren

Für diesen Sommer steht bei mir ausser Tauchferien in Eilat (schon nächste Woche!) auch eine mehrtägige Fahrradtour in der Schweiz auf dem Programm. Natürlich freue ich mich darauf, habe aber auch etwas Angst, dass ich dem langen auf-dem-Sattel-sitzen und in-die-Pedale-treten nicht mehr gewachsen sein könnte. Schliesslich habe ich kein Fahrrad mehr, seit meines vor einigen Jahren gestohlen wurde. Um mich für die bevorstehende Tour etwas in Form zu bringen, habe ich nun von einer guten Arbeitskollegin ein Fahrrad geliehen bekommen. Dabei scheint es sich um ein echtes Luxusobjekt zu handeln– es ist gross, mit extrabreiten Reifen und trotzdem überraschend leicht und schnell. Die erste Fahrt, mehr als 20 Kilometer von der Kollegin zu mir nach Hause, verlief ganz gut, wenn man davon absieht, dass ich die letzten paar Kilometer stehend fahren musste, weil ich nicht mehr sitzen konnte.

Trotzdem, oder gerade deswegen, übe ich aber fleissig weiter. Da meine freie Zeit mit sportlichen Betätigungen schon ziemlich ausgelastet ist (dreimal wöchentlich Lauftraining und einmal Yoga), lasse ich nun einfach meinen Wagen zu Hause stehen und fahre mit dem geliehenen zweirädrigen Rolls-Royce zur Arbeit. Mein Arbeitsweg beträgt auf der Strasse etwa 10 und querfeldein etwa 7 Kilometer. Nun wäre diese Kurzdistanz für die meisten westeuropäischen Radfahrer wohl kaum der Rede wert –in Israel kann es sich dabei aber um ein recht abenteuerliches Unterfangen handeln. Obwohl Radfahren sehr beliebt ist, gibt es kaum ordentliche Radwege. Viele Radfahrer weichen deshalb auf die Strasse aus und nicht selten trifft man auf Autobahnen Radfahrer, die die Pannenstreifen als Velowege nutzen. Dafür ist mir mein Leben aber noch zu wertvoll, vor allem, da die israelischen Autofahrer alles andere als rücksichtsvoll sind. So machen sie sich zum Beispiel beim Überholen gerne mit der Hupe bemerkbar, für den Fall, dass der schwerhörige Radfahrer sie sonst nicht bemerken könnte. Dass eine während dem gesamten Überholmanöver durchgedrückte Hupe einen Radfahrer aus dem Sattel hauen kann, wissen wahrscheinlich nur diejenigen, die sich selbst zur zweiten Gattung zählen.
Querfeldein gibt es einige Wege, die mit landwirtschaftlichen oder Gelände-Fahrzeugen zwar befahrbar und streckenweise ganz akzeptabel sind, aber immer wieder von undurchquerbaren Pfützen (im Winter) und von tiefsandigen Strecken (im langen Sommer) unterbrochen sind. Haben sie schon einmal versucht, auf einer Sanddüne radzufahren?
Nach einigen Probefahrten, auf welchen ich mehrere Male in tiefem Sand einsank, absteigen und - das Fahrrad stossend – umkehren musste, habe ich nun aber den idealen Weg gefunden. 7 Kilometer fast ausnahmslos angenehm befahrbare Feldwege. Jetzt können mich auch die stacheligen Büsche, giftige Skorpione, Schlangen, die sich paarungsfreudig im Sand tummeln, die brütende Hitze und 99% Luftfeuchtigkeit nicht vom Abenteuer Radfahren abhalten. Zum Glück erwarten mich an meinem Arbeitsort eine gute Dusche und klimatisierte Büros.

Nun sehe ich der langen Steigung auf den Brünigpass gelassen entgegen, sie wird für meine Sanddünen-erprobten Beine ein Kinderspiel sein.

Sonnenaufgang unterwegs

Kommentare

alltagschrott.ch hat gesagt…
Wow. Da hast Du meine Bewunderung. Chapeau
Liebe Grüße. Priska
Myriade hat gesagt…
Sand - die ultimative Herausforderung für Radfahrer*innen. Aber du bist ja offenbar mit einem erstklassigen mountain bike unterwegs.
Einen schönen Schweizaufenthalt !!
Yael Levy hat gesagt…
@alltagsschrott.ch
Danke! Es macht ja auch Spass!
Liebe Grüsse, Yael
Yael Levy hat gesagt…
@Myriade
Ja, ein gutes Fahrrad ist wirklich etwas wert! Der Sand hingegen könnte mir gestohlen bleiben.
Liebe Grüsse, Yael
Vivi H hat gesagt…
wow, alle Achtung. Mein Sohn hatte auch mal versucht, statt mit dem Auto mit einem Fahrrad zu fahren. Aber nach 2 mal versuchen, hat er es aufgegeben. Er bekam wirklich Angst um sein Leben. Ja, mitten in Jerusalem kann es nur ueber die Gehwege sein, und das stoert alle, die dort gehen.
Yael Levy hat gesagt…
@Vivi
Ja, Jerusalem ist wohl nicht gerade ideal für Radfahrer. Bei uns, auf dem Land, geht es etwas besser, die Möglichkeiten sind aber sehr eingeschränkt und das ist auch der Grund, warum ich mir kein Rad mehr kaufen werde.

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