Militärdienst

Letzten Dienstag haben wir unseren Sohn für die nächsten Jahre dem Militär übergeben. Ein sehr eindrücklicher und aufregender Anlass, denn in Israel rücken die jungen Leute nicht einfach alleine ein, sondern sie werden meistens von der ganzen Familie mit viel Lärm und Tararam (jidd., Aufheben) im Rekrutierungsamt abgegeben. Wenn die jungen Frauen und Männer dann aufgerufen werden und den schicksalshaften Bus besteigen, der sie zur Ausmusterung bringt, begleiten sie die Angehörigen mit Rufen und allgemeinem Lärm und bewerfen sie mit Süssigkeiten. Einige Familien bringen Darbuka-Trommeln mit und tragen so noch zur grossen Aufregung bei, die hier herrscht.

Den Satz von Woody Allen "Ich muss lachen, sonst bringe ich mich um" habe ich in einem früheren Beitrag schon einmal zitiert. Heute morgen trifft diese Aussage den Nagel auf den Kopf. Niemand freut sich, dass sein Kind ins Militär einrücken muss. Kein junger Mensch hätte nicht gerne die Alternative, in einem friedlichen und sicheren Land etwas Sinnvolleres mit seinem Leben anzufangen. Trotzdem - oder gerade deshalb - bringen Eltern, Geschwister, Grosseltern, Onkel und Tanten die Rekruten hierher, lärmen, lachen und tanzen, denn eigentlich ist es allen zum Weinen zumute.

Am Wochenende kommt der fesche junge Mann nach Hause, frisch eingekleidet in einer faltenfreien neuen Uniform und fast kahlgeschoren. Kann sein, dass meine mütterliche Meinung nicht sehr objektiv ist, aber er sieht wirklich umwerfend gut aus. Da er wohl weder als Koch noch im Armeeorchester eine Chance hat, ich ihn aber trotzdem gerne fernab der brenzligen Schauplätze wüsste, überlege ich mir, ob mein Augapfel seinen Dienst vielleicht als Fotomodell für Uniformen absolvieren könnte? Und bitte ja nicht schmutzig machen...

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