Könnte es sein?

Meine Tochter Lianne – bald 16 – ist schon eine junge Frau. Sie kümmert sich selbst um ihre Hygiene, sie wäscht und duscht sich, lässt ihr Haar beim Frisör glätten und föhnt es jeden Morgen.

Und ich bin schon eine ältliche Mutter, geniesse meine wiedergewonnene Freiheit und habe nicht mehr viel im Sinne mit Kleinkinderkram und -Sorgen. Bis ich gestern plötzlich in alte Zeiten zurückversetzt wurde.

Eigentlich waren die Anzeichen schon lange da, ziemlich klar sogar, aber ohne dass wir sie wahrgenommen hätten. Lianne klagte schon öfter über ein Jucken auf der Kopfhaut. Beim Nachschauen fand ich ab und zu kleine weisse Punkte, die wie Läuseeier aussahen. Einmal fand ich eine kleine Fliege in der Dusche, die ziemlich genau wie eine Laus aussah.

Könnten es Läuse sein?

Manchmal dauert es eben etwas länger, bis wir Tatsachen akzeptieren können. Da faselt das Töchterchen schon von „Sweet 16“-Party, Fahrstunden, Schulabschluss, undsoweiter. Und dann Läuse? Ja, es waren Läuse, vier Stück fand ich davon, nach endlich akribischer Untersuchung ihrer Kopfhaut.

Ich denke an die Brustkrebsdiagnose, die ich vor bald zwei Jahren erhalten habe (ja, die Gedanken an Krebs sind immer da, auch wenn der Tumor schon lange weggeschnipselt wurde). Ein Knoten in der Brust. Eine Biopsie. Der Krebsbefund traf ein. Ich konnte es nicht glauben, wollte es nicht wahrhaben. Die OP. Der Laborbefund. Die Ärzte. Es war offensichtlich. Die Fakten waren nicht zu leugnen. Aber irrten sich Ärzte etwa nicht?

Könnte es wirklich Krebs sein?

Manchmal dauert es eben etwas länger, bis wir der Wahrheit ins Gesicht sehen können.

Als ich heute an der Arbeit vor dem Bildschirm sitze, kratze ich mich am Kopf, ohne es zu beachten. Dann fühle ich etwas Kleines auf meinen Nacken fallen und bevor das Etwas auf meinem Rücken in mein Hemd rutscht, greife ich danach, immer noch den Bildschirm vor mir fixierend. Dann untersuche ich, was die Finger meiner rechten Hand ergriffen haben. Es ist ein kleines ovales Etwas, nicht viel grösser als ein Punkt, mit sechs kleinen Beinen, die man fast nicht sieht. Es ist eine kleine Fliege.

Sie sieht aus wie eine Laus.

Kommentare

wegwunder hat gesagt…
... aha, eine kleine Fliege. Die aussieht wie eine Laus. (Es juckt mich da grad irgendwo...) Läuse, ja Läuse hatten wir noch nie zu Hause (klopfe grad mal schnell auf den Holztisch, so zur Sicherheit)... da bleibt wohl nur zu sagen: "Gut entlaus". Ich schicke dir liebe Grüsse Yael.
Herzlich
Sibylle
Yael Levy hat gesagt…
Liebe Sibylle, vielen Dank für die "Gut entlaus" Wünsche! Leider sind die Dinger flink und sehr gut im Versteckspielen. Bis jetzt habe ich noch keine Weiteren gefunden und in Ermangelung von Beweisen nehme ich mal an, dass sich nur ein besonders mutiges Einzelexemplar auf meinen Kopf verirrt hat. Liebe Grüsse zurück!
Schreibschaukel hat gesagt…
Ui. Wir hatten vor Jahren auch mal und ich war nachher monatelange paranoid und erschreckte mich schon bei Lautäusserungen wie Haus, maus, raus, ...
Aber bei allem Ärger muss man sich auch vor Augen halten - sie sind nicht lebensbedrohend.
Von Herzen alles Gute, auf allen Ebenen und - behaltet euren Humor!

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