Am 6. Oktober 2023, dem letzten Tag einer anderen Epoche, bekam ich eine Pastamaschine geschenkt, die alles etwas einfacher machen und die Produktion steigern sollte. Natürlich musste ich das glänzende Wunderding gleich ausprobieren, und so verbrachte ich den Morgen des 7. Oktobers mit der Herstellung von Nudeln. Doch es war wie verflixt an diesem Morgen. Der Teig klebte, an der Maschine, an meinen Händen, die Nudeln klebten aneinander, und als ich versuchte, sie ein zweites Mal zu verarbeiten, lief die Angelegenheit vollkommen aus dem Ruder. Auch das Radio mit meiner geliebten Musik war verhext: Kein einziges Lied wurde zu Ende gespielt, alle paar Sekunden unterbrachen Raketenalarme aus dem Süden des Landes die Melodien. Aus der beruhigenden Beschäftigungstherapie wurde ein höchst ärgerlicher, klebriger Kampf. Ich verfluchte die Nudeln, die neue Pastamaschine und das Radio und zu guter Letzt artete alles in einem Fiasko aus und der klebrige Teighaufen landete im Abfallkübel.
Erst gegen elf Uhr begann ich aufgrund der Nachrichten und Whatsapp-Meldungen zu ahnen, dass nicht nur in meiner Küche etwas nicht so lief wie es sollte. Gegen Mittag fuhr Eyal höchst besorgt nach Tel-Aviv, um die dort wohnenden Kinder zu uns zu holen.
Unterdessen sind dieser Morgen und die darauffolgenden Tage Geschichte.
Im "7 October Parliamentary Commission Report" wird in den ersten Kapiteln der Ablauf der Angriffe auf die Kibbutzim an der Grenze zum Gazastreifen minutiös beschrieben. Wenn ich heute an diesen Morgen denke, bin ich absolut schockiert darüber, wie ahnunglos (aber vielleicht doch mit irgendeiner unerklärlichen Tiefensensibilität) ich damals in meiner Küche werkelte, während fast im ganzen Land alle Alarmsirenen schrillten und viele Menschen, vor allem junge, verzweifelte letzte Meldungen an ihre Angehörigen schickten. Der Bericht führt aus, wie Kinder, Jugendliche und Erwachsene gejagt und kaltblütig niedergestreckt wurden, aber er erzählt auch von vielen haarsträubenden Heldentaten und dokumentiert ausführlich, wie Menschen ohne zu zögern, mutig und selbstlos um die Leben ihrer Familien, von Mitbewohnern und sogar von Unbekannten kämpften. Sagit Levi Gelfarb, die Verantwortliche für Notfälle im Kibbutz Erez, sagt heute darüber: "Es waren 30 Stunden Hölle auf Erden, die nun in Geschichten erzählt werden. Und jede kleinste Geschichte innerhalb der Geschichten ist eine Welt voller Angst, Fügung und Schmerz."
Meine Pastamaschine ist natürlich auf ewig verflucht. Ich habe sie ab und zu gebraucht seit jenem Morgen, jedoch nie ohne daran zu denken, was anderswo vielleicht gerade geschieht, während wir uns nichtsahnend mit etwas ganz anderem beschäftigen.