Samstag, 22. März 2025

Winterernte




Beim Pflücken der wilden Spargeln habe ich einen sehr verbissenen Konkurrenten. Leider kenne ich nur einen einzigen Busch dieser geschätzten Pflanze, den ich zu Fuss von zu Hause aus erreichen kann. Er wuchert an der Grenze unseres Nachbardorfes zwischen den Büschen, die als natürliche Hecke die Erdbeerfelder vor ungewünschten Besuchern verstecken. Meistens richte ich meine Laufstrecke während der Spargelsaison so aus, dass ich früh am Samstagmorgen dort vorbeikomme. Manchmal habe ich Glück und finde einen oder zwei besonders fleischige Stängel, die mein Rivale übersehen hat. Bin ich aber nicht sehr früh unterwegs, ist mir mein Konkurrent meistens schon zuvorgekommen. Wann macht er nur seine Ernterunde? Nachts? Ich scheine indes einen Grössenvorteil zu haben. Wenn ich mich recht strecke und die darunter liegenden kratzenden Büsche nicht scheue, ergattere ich meist hoch oben doch noch ein paar Spitzen. Zur Belohnung knabbere ich jeweils einige davon gleich roh und frisch ab Strauch auf dem Heimweg.

Mit Erbeerenstibitzen war heute leider nichts. Die Planen, die sie überdecken, werden nur an sonnigen Tagen zurückgeschlagen. An einem bewölkten und nassen Tag wie heute bleiben die Früchte unter den Planen geschützt im Trockenen. Bevor ich wieder zu Hause ankomme, pflücke ich jedoch noch drei betörend riechende Zitronen.

Bald ist die nasse Saison zu Ende, dann verschwinden sowohl die Spargelsträuche als auch die Erdbeeren wieder bis zum nächsten Winter.



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