Die Erde, das globale Dorf

Als ich zwanzig Jahre alt war - vor vielen, vielen Jahren also – gab es einen netten jungen Mann in meinem Leben, der mir sehr gefiel. Er war witzig, hatte ein ansteckendes Lachen, ausserdem war er intelligent, charmant und vieles mehr. Wir waren einige Zeit zusammen und ich zog ihn definitiv in die nähere Auswahl für etwas Ernsthafteres. Die Sache hatte nur einen Haken: der junge Mann war auf Reisen, eigentlich lebte er in Kanada und dorthin verschwand er auch eines Tages wieder. Wir schrieben uns noch einige verzweifelte Briefe und das war es dann.

Mehr als zwei Jahrzehnte später – nun gab es schon Internet – entdeckten wir uns auf facebook. Bilanz: beide “glücklich” verheiratet, je drei Kinder. Wir wechselten ein paar Zeilen, überlegten uns wohl beide “was wäre, wenn…?” und lebten unser Leben weiter.

Heute morgen lade ich nach dem morgendlichen Lauftreff am Meer ein Foto von mir auf facebook hoch: Ich sitze in Laufklamotten hoch oben einsam auf der Klippe und unten streckt sich der kilometerlange und menschenleere Strand ins Unendliche. Es vergehen nur ein paar Minuten, bis auf meinem Smartphone eine Mitteilung auftaucht:

“Tolles Foto!” schreibt mir jemand per Messenger. Ich schaue genauer hin, tatsächlich, das ist ER, aus Kanada!

“Danke. Wann kommst du mal mit mir laufen?” flirte ich zurück. Das erlaube ich mir, weil ich ihn in sicherer 11,000-km Entfernung weiss.

“Wow - Schwimme aber lieber” schreibt er.

In der Kürze liegt die Würze, denke ich und lasse es bei diesem kurzen Wortwechsel bleiben. Das war’s dann wohl wieder für ein paar Jahre.

Heute trage ich den ganzen Tag ein geheimnisvolles Lächeln zu Schau und die Schmetterlinge im Bauch erinnern sich an gute alte Tage. “Warum strahlst du so?” fragt mich meine Arbeitskollegin beim Mittagessen. Tja…

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