Zurück in der Muckibude

Seit Sonntag sind die Fitnesszentren wieder geöffnet – auch für diese sollten sich die Tore aber den erforderlichen Massnahmen entsprechend nur für geimpfte Sportfreunde öffnen. Ich habe die Wiederaufnahme des Crossfit-Trainings ungeduldig erwartet, mein letztes Training liegt nun schon mehrere Monate zurück. Das Crossfit-Studio in unserem Nachbardorf war damals meine bevorzugte Wahl für den Abschluss eines Abos weil das Lokal ideal am Weg zu meinem Arbeitsort liegt (natürlich konnte ich damals nicht ahnen dass ich bald das Haus gar nicht mehr verlassen würde). Ausserdem punktete es mit einem sehr reichhaltigen Trainingsstundenplan vor allem in den frühen Morgenstunden. Zwischen sechs bis zehn Uhr früh bietet das Zentrum jede Stunde ein Training an und da das Lokal im Nachbarsdorf und auf der anderen Seite der verkehrstechnisch problematischen Schnellstrasse liegt, kann ich mit dem Training um sechs oder sieben Uhr wunderbar dem ärgsten Morgenverkehrsstau entkommen. Wenn das erste Training anfängt, sind die Strassen noch leer und wenn ich zufrieden und verschwitzt das Zentrum verlasse, liegt der Stau auf dem Weg ins Büro schon hinter mir. Soweit der Plan – dann kam Corona.

Vom Image des Crossfit als Extremsport für Jüngere lasse ich micht nicht abschrecken. Ich bin zwar nicht mehr fit und beweglich wie eine Zwanzigjährige, aber für Wassergymnastik ist die Zeit für mich doch noch nicht reif.

Zum ersten Training nach der langen Lockdownphase erscheinen nur die ganz Angefressenen. Sechs junge Muskelprotze – und ich! Die Sportler scheinen zu stutzen, warum sich eine grauhaarige alte Frau um sechs Uhr morgens in ihr Fitness-Studio verirrt. Vielleicht wundern sie sich, ob ich dement und verlorengegangen bin? Leider kann ich beim Gewichteheben den Eindruck den sie von mir haben nicht verbessern: Während die Männer schweisstriefend zentnerweise 10- und 20-kg-Gewichtsscheiben auf ihre Stangen wuchten, bleibe ich meiner Grenzen bewusst bei der leichtesten 15-kg-Stange, ohne zusätzliche Gewichte. Als wäre das nicht genug beschämend, ist die Frauenstange unnötigerweise auch noch rosarot!

Aber in der zweiten Hälfte des Trainings kann ich den jungen Burschen beweisen, dass gute Kondition nichts mit dem Alter zu tun hat. Beim fünfmal 400-Meter-Laufen können einige der Jünglinge nur schwer keuchend mithalten und ich habe für sie nur mitleidige Blicke übrig. Beim Laufen sind eben graue Haare kein Hindernis, Muskelberge hingegen schon. Nach dem aufbauenden Training fahre ich um sieben dem Stau entgegen wieder nach Hause – Muskelkater garantiert. Ich bin froh wieder trainieren zu können und dankbar für einen weiteren Schritt in Richtung Normalisierung. Hoffentlich werden auch bald die wenigen Frauen wieder auftauchen, die vor den Lockdowns sehr aktiv dabei waren – schliesslich stehen noch einige rosarote Gewichtsstangen zur Verfügung. Nach einem Corona-Impfpass oder Ähnlichem hat übrigens niemand gefragt. Das ist vielleicht besser so, denn auch da hätten höchst wahrscheinlich einige der jungen Muskelprotze nicht mit mir mithalten können.



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