Donnerstag, 16. Juni 2022

Von Basel nach Nazareth





Wie immer ist mein Besuch in der Schweiz von gemischten Gefühlen geprägt. Während der fünftägigen Reise durchlebe ich von himmelhochjauchzender Begeisterung bis zum dringenden Wunsch, möglichst schnell wieder zu verschwinden, das ganze Repertoire an Gefühlen, begleitet vom grossen Staunen eines Kindes über die Verschiedenheit der Orte, der Leben und der Kulturen.

Basel – was für eine wunderschöne Stadt! Ich flaniere durch die Altstadt, das Münster, die Einkaufsmeilen und bewundere den eindrücklichen Rhein, der breit und dominant die Stadt durchzieht und die zahlreichen Passanten und Touristen. Ich geniesse ein Schoggiweggli und Kaffee bei Sutterbeck. Einen feinen Flammenkuchen und ein Glas Wein am Spalenberg. Wie immer darf eine Rheinüberquerung mit der Fähre nicht fehlen. Ich bin begeistert von den langen Abenden, die die Bewohner Basels für ein gemütliches Chill-Out auf den Rheintreppen nutzen. Ich entdecke die perfekte Eiscreme von Gasparini. Meine Jahre am Basler „Gymi“ habe ich als eher bedrückend, geprägt von seelischem Durcheinander und Notenstress in Erinnerung. Für die Schöhnheit der Stadt hatte ich damals keine Augen. Jetzt dafür umso mehr.

Am Wochenende das Familientreffen im wunderschönen grossen Garten meiner Eltern. Es ist wie in einem klischeehaften französischen Film: ein langer gedeckter Tisch im Schatten eines riesigen Nussbaums, kühler Wein und feine Apero-Häppchen, im Hintergrund eine riesige Paëlla am Köcheln, fröhlich plaudernde Menschen, von den einige, um die filmartig kitschige Stimmung perfekt zu machen, auch noch französisch parlieren!

Am Sonntag reisen die Gäste ab, die Läden sind geschlossen und das Wetter schlägt um. Sturmartige Regenfälle stürzen auf uns hernieder. Ich fühle mich krank, eine Grippe oder Erkältung bahnen sich an. Ich treffe Leute, zu denen ich – obwohl sie Leben zu führen scheinen, die meinem ähneln – keinen Draht finde. 
Ich beginne wieder einmal zu ahnen, dass mir hier, in diesem Dorf in dem ich aufgewachsen bin, sehr schnell die Decke auf den Kopf fallen könnte.

 

Ein weiteres Familientreffen in kleinerem Rahmen, zum Abschluss sozusagen, dann fliege ich zurück in die Hexenküche Israel. Spätestens in Tel-Aviv, wo die Abfahrtstafel im Bahnhof um 18:54 einen Zug anzeigt, der um 18:51 abfahren „wird“ weiss ich, dass mich das Land des „Balagan“ wieder hat.

Leider habe ich aus der Schweiz ein völlig unnötiges Souvenir mitgebracht: Corona! Die Krankheit ist tatsächlich recht unangenehm, mit wechselnden Grippesymptomen, grosser Müdigkeit und leichter Atemnot, verläuft aber einigermassen erträglich, wahrscheinlich dank der Impfungen.

Etwa zehn Tage nach Ausbruch der Krankheit fühle ich mich fast wieder „wie gehabt“ und freue mich jetzt auf einen Wochenendausflug nach Nazareth, einschliesslich eines Konzertes am Abend und Übernachtung in einem vielversprechenden B&B.

Liebe Leser, ich werde die Gelegenheit nutzen und in den Kirchen Nazareths für uns alle beten! Dass wir von Corona und anderen Krankheiten verschont bleiben mögen, dass wir viel Eiscreme essen werden und überhaupt noch viele bereichernde Erlebnisse werden erfahren dürfen. Und dass vielleicht eines Tages auch in Israel Züge nach einem nachvollziehbaren Zeitplan fahren werden!

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