Happy New Year!



Seit Sonntag befindet sich Israel im dritten Lockdown. Wir dürfen uns nicht weiter als einen Kilometer von unserem Wohnort entfernen, ausser zum Arbeiten oder Einkaufen. Aber schon wenige Tage nach Beginn der neuen wiederholten Einschränkungen ist jedermann klar: Ernst nimmt das jetzt niemand mehr. Auf dieser dritten Welle surfen wir schon wie die Weltmeister. 

Die Israelis wissen immer alles besser und lassen sich nicht gerne Vorschriften machen, schon gar nicht bei schönstem sonnigem Winterwetter. Und jetzt haben wir es wirklich alle leid. Schon wieder ein Lockdown! Irgendwann muss doch das Leben weitergehen. Ausserdem werden wir in aller Windeseile durchgeimpft, das trägt zur allgemein hoffnungsvollen Stimmung bei. Ein neues Jahr, neue Anfänge, neue Hoffnungen. 2021 wird endlich alles gut! 

Erwartungsgemäss schnellen die Krankenzahlen wieder in schwindelerregende Höhen. Die israelischen Obrigkeiten reden verzweifelt davon, die undisziplinierten Bürger im Zaum zu halten, aber in der Praxis merkt man davon nicht allzuviel. Lianne, die vor knapp zwei Wochen ins Militär eingezogen worden ist, darf nun über das Wochenende doch nicht nach Hause. Zu gross ist die Ansteckungsgefahr. Aber blutjunge Soldaten in Schach zu halten, ist keine grosse Kunst. Mit den zivilen Israelis, die ihre Freunde treffen und das Leben geniessen wollen, wird es schon schwieriger. Auch Sivan stellt nach einigen anfänglich vorsichtigen Fahrten von ihrer Wohnung im Nachbardorf zu uns und zurück fest, dass die Wächter wohl im Stehen eingeschlafen sind.

Und dann ist Silvester. Der Freund in Tel-Aviv. Es soll nur eine kleine Party werden, in beschränktem Rahmen. Ein schönes Essen kochen, um Mitternacht mit Freunden anstossen. Was soll daran schon so schlimm sein? Die Polizei versucht am letzten Tag des alten Jahres, die Bürger auf allen möglichen Kanälen abzuschrecken. Um Silvesterparties und grössere Menschenansammlungen zu verhindern, sollen Strassenblockaden aufgestellt werden. Ausgangssperre! Im Fernsehen geben die Uniformierten nachdrückliche und abschreckende Warnungen durch. Die Bürger werden dringlichst gebeten, zu Hause zu bleiben. Saftige Bussen werden angedroht. Eyal und ich bleiben ganz gerne zu Hause. Wir fläzen faul auf den Sofas und zappen von Sender zu Sender. Ob bei soviel Polizeipräsenz in den TV-Studios überhaupt noch jemand für die Strasse übrigbleibt? Als es eindunkelt erleuchtet unsere Stube im Blaulicht der Streifenwagen – aus dem Fernseher, wo sich die Hauptaktivität der Polizei abzuwickeln scheint. 

Ach, Lockdown – Schmockdown, sagt Sivan. Die Drohungen sind zwar schon etwas beängstigend, aber etwas Nervenkitzel macht die Silvesterfeier im Untergrund erst richtig spannend. Am Abend fährt sie ohne grosse Umstände nach Tel-Aviv, wo sie mit Freund im Dunkel der Nacht auf schnellen Elektro-Scooters zu Bekannten düst. Der Freund hat unverfrorenerweise sogar noch eine Schüssel Salat dabei. Und die Champagnerflasche, eingewickelt in mehrer Tücher, steckt tief in der Tasche. Wie sie das wohl der Polizei erklärt hätten? Aber die Sorgen waren umsonst. Die Feierlichkeiten gehen unentdeckt über die Bühne. In den frühen Morgenstunden sausen sie unbemerkt wieder zurück. Es ist alles wie gehabt, nur auf etwas kleinerer Flamme. Und einmal sogar ohne Story im Instagram, für den Fall der Fälle.

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