Wir haben gewonnen!


Manchmal erwacht man morgens zu einem Fast-Krieg mit Iran und manchmal erwacht man morgens zu einem Sieg Israels im Eurovision-Songcontest. Nun, eigentlich wusste ich nicht erst am Morgen, dass „wir“ gewonnen haben, denn meine Tochter schaute sich den Contest an und nachts um zwei ging in der Stube das Siegesgebrüll los. Ich konnte mich also schon ab diesem triumphalen Moment bis am Morgen im Siegesruhm sonnen.

Wahrscheinlich scheren sich die meisten Europäer einen Deut um den Songcontest und das ist angesichts des immer mehr zu einer grotesken Show verkommenden „Schlagerfestivals“ verständlich. Aber die lebensfreudigen Israelis, die Musik und Feiern lieben, fiebern bei diesem Wettbewerb jedes Jahr mit und der gestrige Sieg der israelischen Repräsentantin versetzt das ganze Land in Ekstase. In Tel-Aviv, der Stadt die niemals schläft, tanzten die Leute um drei Uhr morgens in den Strassen. Dabei hielten sie wohl nicht nur Lebensfreude und Stolz über den Sieg vom Schlafen ab, sondern auch das grosse Sehnen nach Normalität, nach guten Nachrichten und nicht zuletzt nach ein wenig Anerkennung durch die Länder Europas.

Nachdem am vergangenen Wochenende der Giro d’Italia für drei Etappen bei uns zu Besuch war und nun mit der Aussicht auf eine Eurovision 2019 in Israel haben wir  in dieser staubigen und vermaledeiten Ecke des Mittelmeeres  das berauschende Gefühl, dass es doch noch möglich sein könnte, Europa ein bisschen näher zu rücken. Und wir sind euphorisch darüber, dass Europa endlich einmal zu anerkennen scheint, dass Israel soviel mehr ist als Krieg und Krisen, auch wenn es sich nur um ein äusserst schrulliges Lied handelt.

Der Sieg Netta’s, der israelischen Sängerin, erstaunt. Das Lied ist zwar ein Reisser, aber ausserordentlich bizarr. Die Sängerin selbst, ist  man entschuldige meine fehlende politische Korrektheit  dick (das sagt sie über sich selbst) und auch ziemlich hässlich. Dass sie trotz diesen Kriterien die Aufnahme in das begehrte Musik-Ensemble der IDF, das Erfolgssprungbrett der israelischen Musikszene, schaffte und nun in der Musik- und Show-Branche erste Erfolge verbuchen kann, ist nebst ihrem Talent bestimmt ihrem selbstbewussten Auftreten zu verdanken. Netta ist exzentrisch, spleenig und verschroben und sie hat Mut und Selbstvertrauen, in einer Welt, in der Äusserlichkeiten ja fast alles sind.

Auch ich finde Netta beeindruckend, aber viel mehr als das Siegerlied der gestrigen Eurovision gefällt mir ihre erstaunlich andere Auslegung des Liedes „A-Ba-Ni-Bi“. „A-Ba-Ni-Bi“ war das israelische Eurovision-Siegerlied im Jahr 1978 und Netta interpretiert den rhythmischen Schlager als Ballade, die unter die Haut geht.


Kommentare

Stephan Pinkwart hat gesagt…
Ich fand es schon sehr mitreißend und bezaubernd. Auch wenn ich manchmal schon komisch geschaut habe, wo sie Katzengeräusche nachgemacht hatte ;) Naja andere Länder andere Sitten ;) Dafür ist die Ballade eher was fürs Herz zum Dahinschmelzen. LG
wegwunder hat gesagt…
Ja, das tönt doch deutlich zarter. Gratulation nach Israel :-).
Herzlich, Sibylle

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