Donnerstag, 2. November 2023

Im Schrank versteckte Kinder


1400 Ermordete, 240 Geiseln, Tausende Verletzte, an einem Tag. Die Zahlen allein sind nicht erfassbar.

Diese erstaunliche Webseite zeigt die Fakten über die grauenhaften Taten der Hamas-Barbaren auf. Die Webseite beinhaltet die Ortschaften und Fundorte der Ermordeten und der nach Gaza Verschleppten, mit Namen und detaillierten Angaben. Ein roter Punkt für jeden Ermordeten, ein schwarzer Punkt für jeden Verschleppten. Das Punktemeer visualisiert die Ausmaße des Massakers etwas, macht es aber nicht fassbarer. Ich schaue mir die interaktive Webseite in verschiedenen Zoomstufen an, suche die mir bekannten Namen hervor. Ich entdecke, wo Nitzan, Lidor und Yoni aufgefunden worden sind und betrachte wahllos die mir unbekannten Namen. Es gibt keine Worte für meine grenzenlose Bestürzung und Abscheu. Ich bin einfach fassunsglos.

Was man auf der Webseite nicht sehen kann, sind die Schicksale der Überlebenden. Zum Beispiel das der sechs- und achtjährigen Kinder Michael und Amalia aus Kfar Aza, die sich vierzehn Stunden in einem Schrank versteckten, während die Schlächter draussen wüteten. Vierzehn Stunden kauerten die Geschwister in ihren Exkrementen im Versteck, ohne Wasser, ohne Essen, gelähmt vor Angst vor den Monstern, die sie sich in ihren schlimmsten Kinderfantasien nicht hätten erträumen können. Während sie im Schrank ausharrten, schlachteten die Scheusale ihre Eltern ab und verschleppten ihre dreijährige Schwester Avigail in den Gazastreifen (ein schwarzer Punkt mit dem Namen Idan Avigail auf der oben verlinkten Webseite).



Ein Hunderte-Kilometer umfassendes belüftetes Tunnelsystem haben die Hamas-Terroristen im Gazastreifen angelegt (es soll dem Metronetz von Berlin und London zusammen entsprechen) – und keinen einzigen Schutzraum für die Zivilbevölkerung. In gut ausgebauten unterirdischen Stockwerken unter dem Shifa Krankenhaus haben sie ihren zentralen Terrorstützpunkt erschaffen – und keinen einzigen Bunker für die Zivilbevölkerung. Treibstofftanks mit zigtausenden Litern gebunkertem Treibstoff haben sie erstellt – und nur ein mickriges Elektrizitätswerk, dem nach drei Tagen der Treibstoff ausgegangen sein soll. Tausende Raketenabschussanlagen haben sie gebaut. Diese werden seit Jahren fast täglich genutzt, um israelische Bürger und zivile Einrichtungen zu schädigen. Die Anlagen sind erstaunlicherweise auch jetzt noch funktionstüchtig und fleissig in Gebrauch, während in den Medien schon Berichte über zerstörte Infrastrukturen in Gaza dominieren. Etwa 8000 Raketen sind allein seit dem 7. Oktober auf israelische Zivilisten und Zivileinrichtungen abgefeuert worden.

Wo war die palästinensische Zivilbevölkerung in all den Jahren, während die Hamas unter ihren Füssen ein ausgeklügeltes Tunnelnetz gegraben und ein nicht zu erschöpfendes Kriegswaffenarsenal angelegt hat? Haben sie nichts geahnt? Nichts gehört? Nichts gesehen? Haben die Hamasleute etwa in einem Vakuum gearbeitet? Haben sie nachts nicht bei ihren Familien geschlafen und tagsüber mit ihnen gegessen? Wo war der Aufschrei der Zivilbevölkerung in Gaza über die so extrem missbrauchten Ressourcen? Keinen Mucks haben sie gemacht, nur tausende Kinder in die Welt gesetzt und sie zu hasserfüllten Mördern grossgezogen. Anstatt auf die Barrikaden zu gehen, haben sie die Terroristen und ihre Schergen geduldet, gefördert, unterstützt, aus ihrer Mitte grossgezogen. Erst jetzt, wo es für uns alle zu spät ist, schreien sie Zetermordio.

Armut und Hoffnungslosigkeit sollen sie zu diesen Verzweiflungstaten getrieben haben? Ich glaube nicht, dass ich, meine Kinder oder meine Kindeskinder auch nach Generationen der Hoffnungslosigkeit und Armut fähig wären, ein Baby in einen Ofen zu stecken und bei lebendigem Leib zu backen, Kindern Extremitäten abzusäbeln und sie verbluten zu lassen, oder einer schwangeren Frau den Bauch aufzuschlitzen und das Ungeborene zu enthaupten.

Ich verstehe nicht, warum jetzt ausgerechnet wir – die Israelis – als Vorhut in die Tunnel-Todesfallen steigen müssen, um diese Satansbrut zu bekämpfen. Hamas-ISIS bedroht uns Alle weltweit. Ich würde erwarten, dass sich alle Armeen der aufgeklärten Welt hier an unserer Seite einfinden, um mit uns zu kämpfen, oder uns wenigstens mit allen möglichen Mitteln zur Seite zu stehen, während wir unsere Kinder in diesem Krieg opfern.

Schaut euch die Karte an! Zoomt rein! Schaut euch die Namen an! Die Schicksale, unfassbar jedes einzelne! 
Bitte lasst euch von den Bildern der ausgebombten Menschen in Gaza nicht in die Irre führen. Es geht in diesem Krieg nicht um Opferzahlen. Es geht um westliche Werte, um Frieden, Freiheit und Humanismus gegen Barbarei und perverse Freude am Töten.

Wer jetzt nicht auf unserer Seite ist, ist auf der Seite der Ausgeburten der Hölle. Wer jetzt von uns verlangt, die Waffen niederzulegen und in einem „Akt der Menschlichkeit der anderen Seite entgegenzukommen“ (so eine Journalistin auf deutschlankfunk.de), der tritt die zerstückelten, geschändeten Leichen unserer Kinder, Brüder und Schwestern mit den Füßen. Wer jetzt nicht zu Ende denken will, was geschehen wird, wenn wir diesen Krieg verlieren, ist irgendetwas zwischen grenzenlos naiv und emotional verwahrlost. 

Wer jetzt nicht auf unserer Seite ist, der soll bitte den Mut aufbringen, Michael und Amalia in die Augen zu sehen und ihnen das Ganze zu erklären.

* * * 

In einem nächsten Beitrag werde ich über meinen Schwiegervater Razi schreiben, der als Zweijähriger 1941 während dem Farhud auch in einem Schrank versteckt das Pogrom an der jüdischen Bevölkerung in Bagdad überlebte. Auch damals waren die Juden Schuldenböcke für irgendetwas, obwohl es noch kein Israel, keine "besetzten" Gebiete und kein Gaza gab.


3 Kommentare:

Schreibschaukel hat gesagt…

Was für ein kraftvoller und zorniger und SO BERECHTIGTER Aufschrei!
Ich pflichte dir voll und ganz bei.
Ich schäme mich für den aufgeklärten Westen, für uns alle, die wir euch nicht nur nicht zu Hilfe eilen, sondern noch heuchlerisch über Menschenrechte palavern, in Organisationen, in denen die schlimmsten Schlächter etwas zu sagen haben.
Was ist bloss aus der Welt geworden...

1st, female hat gesagt…

Dieses Formular habe ich schon einige Male geöffnet und wieder geschlossen. Was kann man zu Unsäglichem sagen? Es scheint eine hoffnungslose Zeit angebrochen zu sein - nur schwer auszuhalten. Wie du, Yael, in einem Beitrag geschrieben hast, hilft das Zusammenstehen, damit unsere Kinder Zuversicht finden. Schreibschaukel hat Recht: Heuchlerisches Palaver verbreitet sich im Moment epidemisch. Herzliche Grüsse übers Meer.

Blackjack hat gesagt…

Dankbar für deine Expertise. Dein Beitrag lieferte wertvolle Erkenntnisse, die ich anwenden kann.