Surreale Szenen

Im Restaurant, in welchem meine Tochter arbeitet(e), werden heute die Waren verteilt oder weggeschmissen. Dann werden die Türen bis auf Weiteres verriegelt. Sie ist ganz froh, dass sie nicht mehr arbeiten muss, denn sie zieht gerade um und braucht die freien Tage. Womit sie ihre Miete bezahlen wird? Es ist wahrlich ein Segen, wenn man nicht mehr als drei Tage vorausdenken kann!

Abfall. Einst lebten wir in Saus und Braus

In unserer Kantine (ja, ich bin heute noch zur Arbeit gefahren, denn die Anweisungen des Arbeitgebers sind eher unklar) gibt es ab sofort in Aluschalen abgepackte Mahlzeiten, dazu Einweg-Plastikbesteck. Soviel zu meinem letzten Beitrag betreffend Plastikmüll. Im Kampf ums Überleben verpassen wir der Erde den Todesstoss.

Am Eingang zur Kantine zählt der Kantinenchef die Besucher, damit sich zu keinem Zeitpunkt mehr als sieben Personen in der 200 Menschen fassenden Halle befinden. Die drei Angestellten an der Ausgabe tragen Gesichtsmasken und Plastik-Handschuhe. Über allem liegt ein starker Duft von Desinfektionsmitteln. Die Tische sind in möglichst grossen Abständen nach draussen auf den Kunstrasen gestellt worden. An jedem Tisch stochert eine einzelne Person in ihrem Essen herum. Viele tragen ihre weissen Laborkittel, einige haben ihre Labor-Schutzbrillen in die Stirne geschoben. Wie ich aus der Ferne einschätzen kann, gibt es plastikweissen Reis, Antibiotika-Poulet und genmanipulierte Erbsen. Die Szene ist so surreal, dass ich so schnell wie möglich weg muss. Danke, mir ist der Appetit vergangen!


In diesen Zeiten schreibt man am besten gar nichts mehr für die Öffentlichkeit. Was heute stimmt, wird morgen widerrufen und ist übermorgen peinlich.
Ich werde Tagebuch für mich selbst schreiben, dafür umso öfter. In einigen Jahren werden wir bestimmt darüber staunen. Falls Sie unter den Überlebenden sein sollten – die Word-Datei befindet sich in meinem PC unter C:\Privat\Geschreibsel\MeinCoronaTagebuch.docx.

Kommentare

canadaeinfach hat gesagt…
Wir sitzen alle im selben Boot! Auch hier in Canada ist alles geschlossen. Machen wir das Beste daraus. Die Natur leidet zum Glück nicht unter dem Lockdown und geniesst vermutlich diese Atempause...
Alles Gute für euch!
Anita
Yael Levy hat gesagt…
Ich wünsche euch auch alles Gute nach Kanada! Auf dass sich die Situation beruhigen und unsere Schreckfantasien nicht wahr werden mögen! Wer heute möglichst abgesondert wohnt und viel Natur um sich hat ist klar im Vorteil. Auch wir haben zum Glück einen kleinen Garten. Geniessen wir es, dass wir noch nach draussen können!
Haltet die Ohren steif!
Yael
Schreibschaukel hat gesagt…
Wir haben auf Homeschooling umgestellt. Ich bin momentan "standby" - ist aber grad tote Hose. Vermutlich -hoffentlich! - geniessen die Kids das herrliche Wetter draussen, mit dem nötigen Abstand...man wähnt sich irgendwie im falschen Film, aber im nahen Wald ist es traumhaft.
liebe Grüsse aus dem momentanen Epizentrum
Yael Levy hat gesagt…
Liebe Schreibschaukel
Bei uns wurde auch auf Homeschooling umgestellt. Bei meiner Achtzehnjährigen, die im letzten Schuljahr und unittelbar vor den Abschlussprüfungen motivationsmässig sowieso schon aus dem letzten Loch pfiff, funktioniert das nicht gerade optimal.
Ich hoffe, du geniesst den Wald und hast beim Spazierengehen noch keine Polizeistreife hinter dir her.
Liebe Grüsse
Yael

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