Verdacht

Wie vom Blitz getroffen taumle ich aus dem Brustzentrum. Dr. S hat einen neuen Knoten ertastet, jetzt in der linken Brust. Eventuell nur harmloses Brustgewebe, murmelt der Chirurg, aber er scheint selbst nicht davon überzeugt zu sein, sonst würde er mich wohl kaum gleich an Mammographie und Ultraschall weiterleiten und schriebe auch noch ‚dringend‘ in die obere Ecke. Im Brustzentrum selbst gibt es leider gerade keine freien Termine für die Untersuchungen, bestimmt nicht heute und nicht einmal in den nächsten Wochen. Das Krankenhaus scheint von einem Brustkrebs-Tsunami überrollt zu werden. So finde ich mich bald wieder draussen, bevor ich noch richtig begreife, was hier eben passiert ist. Beim Verlassen des Krankenhauses bin ich so verwirrt, dass ich vergesse, die Parkgebühr zu bezahlen und erst als ich mit dem Wagen vor der geschlossenen Schranke stehe, erwache ich aus meinem Schockzustand.

Ich werde in einem anderen Institut einen Termin suchen müssen, die Krankenkasse wird die Kosten für die nötigen Untersuchungen übernehmen. Ich weiss aber nicht recht, wohin ich mich nun wenden soll und fahre wie ein kopfloses Huhn zuerst in den einen Ort, dann in den andern und schlussendlich nach Hause, um alles telefonisch zu regeln. So dringend kann es ja nicht sein.

Zwei Stunden und einige Telefongespräche später habe ich mich wieder einigermassen beruhigt. Ich weiss ja schon, dass es für nichts eine Garantie gibt. Weder für Gesundheit, noch für ewiges Leben. Diese Erfahrung habe ich vor einigen Monaten schon gemacht. Unsere Zeit hier ist nur geliehen. Wir müssen das Beste daraus machen.

Kommentare

Fragmentage hat gesagt…
Ach scheiße, das ist doch gemein. :( auch wenn sich der Verdacht nicht bestätigt, wovon wir jetzt natürlich mal ganz fest ausgehen, braucht diese Unsicherheit doch kein Mensch. Mein Mann muss in zwei Wochen zum (Routine)PetCT, da schwingt auch jedes Mal wieder Unruhe mit..
Ganz liebe Grüße und Kraft,
Hadassa
Yael Levy hat gesagt…
Vielen Dank für die guten Wünsche. Unterdessen weiss ich ja schon, dass zum Glück alles in Ordnung ist. Im Nachhinein kann ich sagen, dass es manchmal ganz gut ist, vom Schicksal etwas in die Schranken gewiesen zu werden. Aber natürlich nur, wenn alles gut ausgeht...

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