Wüstentrip

Vor einigen Tagen reiste ich in die Negev-Wüste, zusammen mit meinen Schwestern, die aus der Schweiz zu Besuch gekommen waren um vor der grossen Eiszeit ein bisschen Sonne zu tanken.

Einige Tage vorher suchte und fand ich im Internet eine anspruchsvolle Rundwanderung: Die Tagesroute „Wadi Zin - Ein Akev“ schien mir genau das Richtige zu sein. Ich klickte durch Bilder von Wüstenlandschaften mit trockenen Wadis, bizarren Felsformationen und kargen Geröllhalden in vielfältigen Beige- und Sandschattierungen – das würde einmal etwas ganz anderes für meine Schwestern, die sich an die grünen Wiesen und Wälder, die Berge und den Schnee der Schweiz gewöhnt sind!

Es stellte sich heraus, dass es auch in der Wüste kräftig regnen kann. Na ja, eigentlich wusste ich das ja schon. Aber ausgerechnet heute?! Die geplante Wanderung fiel buchstäblich ins Wasser. Eine hartnäckige Regenwolke entleerte sich ausgerechnet während der wenigen Stunden, die wir in dieser sonst so trockenen Region verbrachten. Zum Glück hatten wir die wenigen trockenen Stunden nach unserer Ankunft noch schnell für eine Kurzwanderung in einem der schönsten Nationalparks Israels (Ein Avdat) genutzt und konnten so wenigstens einige Eindrücke der spektakulären Landschaft in der Region sammeln.


Auch die Hütten in der Wüste, die wir zur Übernachtung gebucht hatten, konnten wir leider nur kurz geniessen. Nach einigen Kilometern Fahrt auf steinigen Wüstenpisten kamen wir kurz vor Sonnenuntergang an und waren von der einmaligen Abgeschiedenheit sofort begeistert.


Auf kargen Hügeln lagen verstreut ein paar einfache Hütten. Steine, Kakteen, Sand. Sonst nichts. Kein Internet- oder Netz-Empfang. Magische Ruhe pur in fantastischer Umgebung. Hier könnten wir so richtig die Seele baumeln lassen, stellten wir uns vor und träumten alle sofort von einem längeren Aufenthalt, von Ruhe, Entspannung und Entschleunigung. Das vegetarische Nachtessen, vom Inhaber gekocht, war sehr lecker. Als mich dann aber nachts der Druck auf der Blase hinter die Hütte drängte (für die weit entfernten Toiletten hätte ich im Dunkeln über die Geröllhalden kraxeln müssen) und mir ein kalter Wind um den Allerwertesten wehte, ahnte ich nichts Gutes. Vom vielgerühmten Sternenhimmel in der Wüste keine Spur. Das Wetter schlug um, der Himmel war stark bewölkt und am Morgen wich unsere Begeisterung trauriger Ernüchterung. Der Anblick der Anlage im Regen war trostlos.


Der Sonnenaufgang blieb aus, alles lag grau in grau. Dazu kamen die ökologischen Gemeinschaftstoiletten, bei deren Bau offensichtlich die weibliche Anatomie vollkommen ausser Acht gelassen worden war – sie trugen das ihre dazu bei, dass wir uns sehr bald in die Zivilisation zurücksehnten. Nach reichlichem Frühstück verliessen wir das Beduinenhotel ziemlich desillusioniert.


Bei gutem Wetter aber, im März, November oder Dezember, wäre ein Aufenthalt hier bestimmt fantastisch. Wenn ich mich wieder einmal nach Einfachheit, Ruhe und Zurückgezogenheit sehnen sollte, werde ich einen erneuten Versuch in diesem sehr speziellen „Hotel“ wagen.
Notiz an mich selbst: Nicht vergessen, Grossmutters guten alten Nachttopf einzupacken!


Kommentare

wegwunder hat gesagt…
Auf diesen Bericht hatte ich gehofft, schön von deiner Wüstentour zu lesen. Schade dass das Wetter nicht mitmachen wollte. Trotzdem schöne Fotos. Liebe Grüsse, Sibylle

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